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Kein Fußbreit

18.01.2024

Rückschau auf meinen literarischen Themenabend bei Ameis Buchecke in Hildesheim

15.12.2023

Im November durfte ich bei Ameis Buchecke in Hildesheim einen Abend unter dem Titel „Leben & Loslassen: Eine literarische Abendveranstaltung über Tod, neue Trauerkultur und warum Vorsorge Liebe ist – Einladung zum Dialog“ gestalten.
Das hat mir große Freude gemacht und es war ein wunderbarer Austausch mit den Anwesenden, über Wünsche, Vorstellungen und eigene Erfahrungen mit Tod und Trauer. Gelacht haben wir trotzdem viel und nach drei Stunden war meine Stimme müde und ich ziemlich glücklich.
Hoffentlich kann ich ein solches Angebot wiederholen, ich würde mich total freuen und der Wunsch war definitiv da!

(Wenn Du so einen Abend gern bei Dir in der Gegend hättest, sprich mich gern an und kontaktiere doch mal Deine Lieblingsbuchhandlung, die lokale Volkshochschule oder andere Bildungsträger*innen 😊).

Natürlich gab es auch die versprochenen Buchempfehlungen, eingebettet in die verschiedenen Themenbereiche. Du findest diese, ebenso wie Texte zu Vorsorge, (alternativen) Bestattungsformen, Umgang mit Trauer (der eigenen und der anderer) und warum Vorsorge in meinen Augen ein Akt der Liebe hier auf der Homepage im Bereich „Wege durch die Trauer„.

Ein kleiner Fan-Moment über „S3x education“

03.11.2023

*Spoilerwarnung*

Ihr Lieben, entschuldigt bitte meinen kleinen Fan-Ausbruch: aber wie großartig ist bitte die Folge 6 mit der Beerdigung von Maeves Mutter in der 4. Staffel von Sex Education?

Die Serie ist ja sowieso ganz unbestreitbar großartig, inklusiv, intersektional und generell toll, aber geheult habe ich bisher noch nicht.

Warum hat mich diese Szene so begeistert?

Es werden diverse wichtige Elemente angesprochen, die viele aktuelle Probleme im Bereich Trauer/Bestattung aufgreifen. Gleichzeitig schaffen es die Macher*innen der Serie, ein gutes Beispiel zu geben, warum Trauer Gemeinschaft braucht, wie viel Unterstützung ein Miteinander den Zugehörigen gibt und das es nicht um die Wahrung von Klischees, sondern um persönlichen Ausdruck, Authentizität und Selbstwirksamkeit geht.

Natürlich ist einiges von dem Schlechten künstlerisch überzeichnet, aber leider ist mir viel davon in unterschiedlicher Art und Ausprägung in den letzten Jahren immer wieder begegnet (auch wenn ich ausdrücklich sagen möchte, dass es immer mehr Menschen im Trauerbereich gibt, die es ganz anders machen, z.B. bei @Bohana)

Die Verkaufsmentalität ohne Anteilnahme im Bestattungshaus, die die beiden knapp erwachsenen Kinder allein in ihrer emotionalen und finanziellen Überforderung lässt. Die furchtbare „Zelebrantin“, die den Namen der Mutter zuerst völlig falsch im Kopf hat und ihn danach in der Trauerrede falsch ausspricht; die mit billigen Klischeesätzen um sich wirft; der die Trauermusik abbricht, weil das Internet zu schlecht zum streamen ist (und sie sich nicht vorher drum gekümmert hat); die in ihrem Text ein Bild der Verstorbenen malt, dass überhaupt nichts mit ihr zu tun hat und die die ganze Zeit sichtbar auf ihre Uhr tippt, weil der Zeitslot zu Ende ist.

Was ich hingegen feiere und mich schlussendlich zum Heulen gebracht hat:

Die Freund*innen, die zur Trauerfeier kommen um die Tochter zu unterstützen (die niemanden dort erwartet hatte); die selbstgebackenen Cupcakes für alle Anwesenden; der schüchterne Lehrer, der das gewünschte Lied zum Abschied dann inbrünstig singend am Klavier spielt und alle zum Mitsingen inspiriert. Die ehrlichen Abschiedsworte der Tochter, die nichts beschönigen und doch voller Liebe sind. Die Herausgabe der Asche an die Tochter, die sie dort verstreuen kann, wo es passend für ihre Mutter war.

#sexeducation #sexeducationnetflix #trauerrede #lebensrede #abschiedgestalten #esgehtauchanders #strongertogether #abschied #wandelworte #trauerredenerin #zusammenistmanwenigerallein

Neurodiversityaffirming

12.09.2023

Aus Erfahrung weiß ich, dass (insbesondere ungeplante) Veränderungen für neurodivergente (u.a. ADHS, Autismus) Menschen häufig eine besondere Herausforderung darstellen.

Aus vollem Herzen gehe ich wertschätzend und anerkennend damit um.

Kleine Beispiele aus dem großen Spektrum an Möglichkeiten?

Ich weiß, wie anstrengend masking ist und erwarte es nicht.

Wenn kleinschrittige Absprachen die Planung für Dich angenehmer machen oder ich mit einer Erinnerung für einen Gesprächstermin die Zusammenarbeit für Dich entspannen kann – sag es gern!

Wenn Augenkontakt oder viel Aufmerksamkeit auf einmal bei Zeremonien sich nicht gut anfühlen, dann finden wir gemeinsam heraus, wie es besser gehen kann.

Du hast Themen und Hobbies, die einen großen Platz in Deinem Herzen einnehmen und Dir wichtig sind? Klasse, dann lass sie uns doch in Deine Zeremonie einbringen!

Du hast das Gefühl zuviel erzählt zu haben und bist unsicher, wie es bei mir ankam und dass ich alles davon in meiner Rede für Dich aufnehme? Mach Dir bitte keine Sorgen. Sag mir einfach, was nicht darin vorkommen soll: ich behalte es in jedem Fall für mich und freue mich über Dein Vertrauen.

Melde Dich gerne, wenn Du einen neuen Schritt in Deinem Leben feiern willst, Begleitung im Zwischen-Raum möchtest oder Abschied nehmen musst.

Zusammen finden wir einen guten Weg, der zu Dir passt 💚

neurodiversityaffirming #neurospicy #neurodivergenz #adhs #autismus #adhdawareness #adhdpositiv #autismawareness #neurodivergent #autism

„Draußen im Meer, wo sich alles traf, die Flüsse, die Enden aller Tage und die gelebten Leben und in einem ewigen Tanz unter dem Himmel wogte und strömte.“ (Patricia Koelle „Das Meer in Deinem Namen“)

01.08.2023

Zu sehen ist ein Srand an der Küste von Aerö mit einem dräuenden Himmel voller Wolken über dem Meer.

Und wieder sitze ich am Wellensaum.

Spüre die warme Präsenz der Bäume, die durch tausend Stürme und Winde mit starker Lebendigkeit den Widrigkeiten getrotzt haben in meinem Rücken und das ewige Auf und Nieder, das Kommen und Gehen der Wasser vor mir.

Fühle, wie ich in dieser Unendlichkeit, diesem steten Kreislauf ganz klein und dennoch dazugehöriger Teil bin.
Lasse Sand, Muscheln und Seeglas durch meine Finger gleiten, geschliffen vom ewigen Tanz der Gezeiten, Wellen und Weite. Hier ist unverrückbar eine Heimat für mich, eine Ruhe, die nur das Zusammenspiel von Meer und Wald, von Lebendigkeit und Vergänglichkeit mir schenken kann.

Spüre die Dankbarkeit für dieses Glück, das Geschenk, welches sich mir und vielen anderen immer wieder sanft und kraftvoll als Boden unter den Füßen anbietet. Sich selbst genug und ohne Anforderungen.

Nehme wahr, wie das Wasser in mir sich verbindet mit dem Plätschern und Strömen vor mir und meine Körperlichkeit mit der ruhigen Anwesenheit des Rauschens der Wipfel, dem Flug der Vögel und den warmen Steinen in meiner Hand.

Ich bin.
Ich bin da und genug.
Ich bin verbunden und eins.

„Das zweistimmige Rauschen von Brandung und Wald ist die perfekte Melodie, die uns Frieden gibt und zugleich in Bewegung bringt. Sie fließt wie das Blut in den Adern, eine Melodie wie das Leben selbst, wenn es im Einklang mit sich und voller Energie ist.“ (Patricia Kölle „Das Licht in den Bäumen“)

20.07.2023

Ein Abhang voll grüner Buchen, der zum Meer hin abfällt, dass im Hintergrund zu sehen ist.

Gerade habe ich beim Lesen ein Zitat gefunden, welches ich gerne mit euch teilen möchte.
Es beschreibt so wunderbar mein Gefühl an den Orten, an denen Wald und Meer einander fast berühren.
Jeder dieser Orte berührt mich tief, weil er ein Schwellenraum ist und ihm (zumindest in meinem Erleben) etwas zutiefst magisches anhaftet.

Morgenspaziergang

15.07.2023

Vorwärts treiben, das Ziel , den Wunsch, die Idee fest im Blick.
Genug Spielraum für Abenteuer, Glück und Zufall.
Genug Planung für gefühlte Sicherheit, für Frieden und Vorfreude.
Jeder Kilometer, jeder Schritt, jede verrinnende Minute trägt vorwärts. Jeder Gedankenhopser, jede Besonderheit die den Blick fängt, jeder Fetzen Melodie und Wort schafft Inspiration, Tagträume, Kopfkino.

Die Kreativität, die in Bewegung geschieht, in dem Moment zwischen eben und gleich, gestern und morgen; die, die der Stillstand nicht schaffen kann.

Das Aufwallen von Gedankensplittern, sich verwebende Bilder, aus der Gleichförmigkeit des Vorwärts an die Oberfläche gebracht.
Ungeordnet und wild.

Erst das Innehalten, zulassen, anhalten, Raum geben birgt die Möglichkeit, die wirbelnden Facetten sacht an ihren Platz fallen zu lassen. Den Rahmen zu schaffen für das Bild, um Schicht für Schicht zur Form zu werden; das Wort zur Geschichte.

Wir brauchen immer beides, Bewegung und Ruhe; einlassen und abgeben; wagen und annehmen.

Rhythmus, Schwellenzeiten, Wandelräume, ankommen, beginnen.

Deshalb liebe ich Reisen, weil sie mich so oft im Kopf verweilenden Menschen wieder mit Bodenhaftung, genau HIER sein, aus dem Bauch heraus entscheiden und Flügeln beschenken.

Und mit innehalten, atmen, sehen.

Ein liminaler Raum zwischen Alltagszeiten, Zeit für Möglichkeiten, Veränderungen und Einblicke.

Erinnerungen schaffen

19.06.2023

Träg-entspannte Sommertage, die sich gemächlich ziehen, sonnenglitzernde Momente mit plantschenden Füßen im kühlen Bachwassers, halb geschlossenen Augen, die dem Tanz der schillernden Libellen über dem Wasser folgen und die warme Gegenwart eines lieben Menschen dabei fühlen.

Wenn ich an die Aufforderung, den Wunsch, die Bitte „Erinnerungen schaffen!“ denke, dann sind es diese Momente, die mir einfallen.

Nicht die großen, wichtigen Ereignisse, sondern diese kleinen.

Das Gewicht meines Kindes, das in der Hängematte an mich gekuschelt ein Buch liest und dessen zerzauste Haare nach Abenteuer, Wald, Sonne und Sonnenmilch riechen.

Die lachenden Augen einer engen Freundin, wenn sie gelöst und frei aus dem Wasser des von Bäumen beschatteten Teichs auftaucht und mich anlächelt.

Sommersonnenwende

21.06.2023

Sommersonnenwende ist heute.

Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres.
Die Hitze der letzten Tage passt gut zu diesem Sonnenhöhepunkt und ich kann mir wie jedes Jahr gar nicht vorstellen, dass es ab morgen Stückchen für Stückchen für Stückchen wieder dunkler werden wird.

Doch das Jahresrad steht nicht still, genauso wenig wie unsere Leben, auch wenn wir es uns manchmal wünschen.

Mit dieser Gewissheit können wir versuchen die Fülle aufzunehmen, die inneren Batterien mit Sommernachtstraumerinnerungen zu füllen und sie im Winter als kleine Sonnenflecken wieder hervor zu holen.

Erinnerungen halten so viel Potential in sich und die schönen, warmen, liebevollen Erinnerungen helfen uns Momente, geliebte Menschen und Kraft mitzunehmen in Zeiten, die mit Schwere und Mutlosigkeit an uns nagen.

Über Liminalität

9.6.2023

Letzte Woche war ich in dem zauberhaften RuheForst Glücksburg.

Erneut war ich tief berührt von der Atmosphäre des Ortes. Diese wilde und zugleich sanfte Mischung zwischen Meer und Land. Dieser liminale Zwischen-Raum, der gleichzeitig ein Ort für die Verstorbenen und für die Lebenden ist, sie in Verbindung bringt und ganz viel Ruhe schenkt.

Liminalität – ein (W)Ort, der viel Bedeutung für mich hat, in der ich gern begleite und den ich so gerne mehr in der Wahrnehmung hätte.
In seiner Fülle und Relevanz, Schönheit und den unendlichen Möglichkeiten, die sich aus ihm entfalten können.

Im liminalen Raum sein, heißt zwischen den Dingen zu stehen.
Zwischen Ende und Neubeginn, in Veränderung und fluktuierend.
Auf dem Weg seiend.

Abschiedsgeschichten

7.5.2023

Nachdem ich den wunderschönen Beiträgen aus dem Sarg auf dem Profil von Junimond Bestattungen auf Instagram ja schon begeistert folge, habe ich mich sehr gefreut, am Freitag in Bremen auf der Messe Leben & Tod am schönen Stand von Junimond selbst einmal Probe zu stehen.

Es war spannend, dort einen Moment ganz bewusst die eigentliche Sterblichkeit nochmal in die Wahrnehmung zu holen und zu überlegen: Was nehme ich mit?
Wer bin ich hier und was möchte ich hinterlassen?
Was ist wirklich wichtig?



Klar geworden ist es mir erneut in diesem Moment, dass ich Verbindungen hinterlassen möchte. Nähe, Vertrauen und einfach sein, miteinander.



Tatsächlich ist ein Sarg nicht meine Wahl für den gesamten letzten Aufenthalt. Ich möchte gerne mit dem Wind übers Meer fliegen, mit letzten Briefen meiner liebsten Menschen, vermengt mit mir.

Und ein Kerzenlabyrinth für einen letzten gemeinsamen Weg zum Durchschreiten auf der Feier meines Lebens.

Danke, Hendrik und Leo von Junimond für diesen schönen Moment und die wunderbare Idee der Fotos und Geschichten. 💚

Lust auf Hochzeit oder Handfasting?

3. März 2023

Queere & polyamore Trauer – Teil 2

16.11.2022

Das Thema Diskriminierung und Marginalisierung hört leider für viele Menschen auch im Tod nicht auf.
Dies trifft auch (ebenso wie bei allen anderen marginalisierten Gruppen) auf viele queere und polyamore Menschen zu und selbstverständlich sind alle Menschen in ihren Bedürfnissen einzigartig.


Wie kann dem Thema Tod und Trauer von Dienstleister*innen diskriminierungsärmer begegnet werden?

Was ist speziell im Kontext queer/polyamor wichtig?
Was braucht ihr, um euch gut wahr- und angenommen zu fühlen?


Für uns alle ist wichtig, dass auch im Tod Dinge so gehandhabt werden, wie im Leben.

Worauf können wir achten bei der Wahl des Bestattungshauses, der Trauerbegleitung, der Redner*in oder der Trauerfeier?

  • Wird Gestaltungsfreiraum für individuelle Bedürfnisse und Ideen geschaffen?
  • Wird Selbstbestimmung im Rahmen des gesetzlich Erlaubten möglich gemacht?
  • Werden die Kosten transparent aufgeschlüsselt und euch die Wahl gelassen?
  • Ist der Umgang mit euch und eurem verstorbenen Menschen von Achtsamkeit, Respekt und Toleranz geprägt?
  • Ist die Wahrnehmung von Vielfalt, sowie eine gendersensible und inklusive Sprache der vorherrschende Umgangston?
  • Wird die Identität des verstorbenen Person, ihre Lebensrealität, ihr Name und ihr Geschlecht so respektiert, wie es gelebt wurde, unabhängig davon, was in den Papieren steht?
  • Wird der Mensch unter Angabe des richtigen Geschlechts (das nicht unbedingt der körperlichen Repräsentanz oder dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht) bestattet und bei der Totenfürsorge respektvoll behandelt?
  • Wenn es mehr als eine Beziehungsperson gab, werden alle gleichermaßen wahrgenommen und respektiert, als Zugehörige und verwitwete Partner*innen?
  • Werden Familienstrukturen als solche erkannt und wertgeschätzt, unabhängig davon, ob sie bunter und vielgestaltiger sind, als eine klassische Kleinfamilie?
  • Fühlt ihr euch geschützt genug in dem angebotenen Rahmen für die Totenfürsorge und bei der Trauerfeier? Werden Diskriminierungs- oder sogar Gewalterfahrungen ernst genommen und wird sensibel damit umgegangen?
  • Was braucht ihr, um euch – gerade in diesem Kontext – wohl- und angenommen zu fühlen?

Wenn ihr Tipps für queere Trauergruppen und queerpositive Bestattungshäuser habt, schickt sie mir sehr gern!
Gerade queere Trauergruppen sind bisher sehr, sehr rar gesät.

Auf der Bohana-Homepage findet ihr unter dem Schlagwort LGBTQIA+ schon eine ganze Reihe wunderbarer Menschen, die euch gern zur Seite stehen.(den Link findet ihr im Wonderlink in der Bio).

Ebenfalls im Wonderlink findet ihr einen Link zu den Bestattungsgesetzen der einzelnen Bundesländer. Dort werden die gesetzlichen Vorgaben genannt, die eingehalten werden müssen.

Queere & Polymore Trauer – Teil 1

9.11.2022

In den letzten Wochen durfte ich gleich zwei Interviews zum Thema queere (und polyamore) Trauer geben.

Warum mache ich nun Extrabeiträge zu diesem Thema?
Sind Beisetzungen und Trauerfeiern für queere und polyamore Menschen grundsätzlich anders, als die von hetero und monoamoren Menschen? Nein!

Aber in den Biographien vieler queerer Menschen gibt es Brüche mit ihren Herkunftsfamilien und nicht in allen Herkunftsfamilien werden polyamore Beziehungen wahrgenommen und wertgeschätzt, als das was sie sind. Deshalb möchte ich hier nochmal etwas mehr dafür sensibilisieren sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen und euch Hinweise geben, wie ihr Sorge tragen könnt für euch und eure Liebsten.
Denn die eigene Trauerfeier sollte so sein, wie ihr sie euch wünscht und vor allem sollen eure Beziehungen, nahen Menschen, Identität und eure Lebensgeschichte dort Raum haben.


Warum ist es speziell für queere und polyamore Menschen wichtig, sich mit dem Thema Tod und Bestattung auseinanderzusetzen?


In den Biographien vieler queerer und auch polyamorer Menschen gibt es leider auch heute noch Brüche mit den Herkunftsfamilien und viele von uns suchen sich in ihren Leben eine Wahlfamilie. Es ist ganz wunderbar liebevolle neue Menschen zu finden und mit ihnen enge Beziehungen einzugehen.


Bei Todesfällen gilt das sogenannte Bestattungsgesetz, jedes Bundesland hat ein eigenes. Allgemein gilt in allen Bundesländern, dass jede Person ab spätestens 16 Jahren das Recht hat über die eigene Beisetzung zu entscheiden
Ist darüber nicht bekannt, gibt es eine festgelegte Reihenfolge, nach der Personen entscheidungsbefugt sind (Ehe oder Lebenspartner*innen, Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern, Enkel) zuständig (nur in RLP obliegt es den Erbenden), in den meisten Bundesländern haben unverheiratete/-verpartnerte Lebensgefährt*innen keinen Verwandtschaftsstatus.In diesem Fall dürfen die Totenfürsorgeberechtigen über Art und Ort der Bestattung entscheiden, wenn ihr es nicht anderweitig festgelegt habt.
Das Recht der Totenfürsorge kann aber auch nicht verheirateten Partner*innen oder anderen nahen Menschen zufallen, wenn sie ausdrücklich von euch damit beauftragt wurden.

Wie kann ich vorsorgen?

Um potentielle Konflikte zu vermeiden, ist es sinnvoll, diese Wünsche zu verschriftlichen und einer Bestattungsverfügung festzuhalten.
Auch die gewünschte Bestattungsform (Erd- oder Feuerbestattung, Friedhof oder Seebestattung), den Ort und eure Wünsche zur Trauerfeier könnt ihr dort niederlegen. Wer soll dort sprechen, wie soll sie gestaltet sein? Gibt es einen speziellen Ort, den ihr euch dafür wünscht? Welche Musik soll erklingen?
Ihr könnt die Verfügung jederzeit widerrufen oder verändern.
Die Kosten der Bestattung sind aus dem Nachlass der verstorbenen Person zu zahlen.


Wie könnt ihr Vorsorgen?


Die wichtigsten Formalien zur Vorsorge sind
Patient*innenverfügung
Vorsorgevollmacht
Testament
und Bestattungsverfügung.


Es ist sehr hilfreich für eure Zugehörigen, wenn ihr einen Ordner mit wichtigen Unterlagen zusammenstellt. Dazu gehören zum Beispiel eine Patient*innenverfügung, eine Bestattungsverfügung mit den Wünschen zur Fürsorge nach dem Tod und der Beerdigung, Versicherungs- und Bankunterlagen, Testament, Heiratsurkunde, eine Liste mit allen relevanten Passwörtern und Benutzerkonten und eure Geburtsurkunde.


Das wichtigste zum Schluss: Sprecht miteinander!
Es ist ein Akt der Liebe zueinander, schafft Vertrauen und ist eine große Entlastung in der Situation, zu wissen, was den Liebsten gefallen würde.

Lasst uns gemeinsam Trauer wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückholen.

Natürlich sind die Informationen auch für alle anderen Menschen relevant, insbesondere, wenn ihr nicht in gesetzlich eindeutigen Beziehungen lebt!

Vorlagen für Vorsorgevollmachten, Patient*innenverfügungen und Bestattungsverfügungen findet ihr im Internet oder in meinem Wonderlink-Tree.

Dieser Beitrag ist ausdrücklich keine Rechtsberatung.

Veränderungen Zeit und Raum geben – Von der Natur lernen.

9. Juni 2021

Veränderung und Wandel brauchen Zeit.
Manchmal mehr, als uns lieb ist.

Es ist auch völlig in Ordnung, dass Dir das vielleicht gerade nicht gefällt (und mir ganz oft genau so wenig).
Warten ist schwierig. Sich aus der eigenen Komfortzone bewegen, an vielleicht schmerzhaften Erfahrungen rühren, den Schritt ins Unbekannte und Neue zu wagen, auch.
Doch die Erkenntnis, dass ein Wandel geschieht, geschehen darf oder soll, benötigt Raum und Zeit um zu wachsen.

Das Bild zeigt einen kleinen Perlmuttfalter, orange mit kleinen schwarzen Flecken, auf grünen Blättern.


Die Natur lehrt uns ganz deutlich, wie es geht. Die Samen der Pflanzen des kommenden Jahres ruhen in der dunklen Erde und kommen dann ans Licht, wenn es ihre Zeit ist. Sorgsam, vorsichtig zunächst, strecken sich die Triebe durch die Erde und erblühen irgendwann im strahlenden Sonnenlicht.
Vielleicht müssen wir wieder lernen, mehr zuzuhören, hinzuschauen, bei uns zu bleiben.
Uns verpuppen, hineinhorchen, die Veränderung ins uns geschehen lassen, bevor wir erneut ins Außen treten.

Gib Dir die Zeit, um den Weg zu gehen, das Anzunehmen, was vor Dir liegt und für all die Gefühle, die damit zusammen hängen.

Was brauchst Du jetzt, in diesem Moment?
Welcher Wandel hat für Dich begonnen und bringt etwas Neues in Dein Leben?
Kannst Du es gerade zulassen?

Was ist eigentlich ein Handfasting?

15. März 2021

Geschichtlich stammt das Handfasting aus der keltischen Tradition, vorrangig vermutlich aus dem heutigen schottischen Raum.

Der Begriff stammt vom Wort Handfeste ab, welches einen geschlossenen Vertrag durch einen Händedruck mit einem verknoteten Band besiegelte. Der Knoten im Tuch oder Band besiegelte damit die Verbindung.

Im englischen Raum bedeutet „to tie a knot“ bis heute das Eingehen einer Ehe und auch in „den Bund der Ehe schließen“ finden wir es wieder.

Wie funktioniert ein Handfasting?

Die sich Trauenden legen die Hände ineinander und die Traurednerin, Priesterin, vertraute Menschen oder vielleicht auch die gemeinsamen Kinder schlingen das Band um die Hände und binden das Band zu einem losen Knoten. Die sich Trauenden selbst ziehen nun gemeinsam den Knoten fest und besiegeln so ihre Verbindung in Liebe.

Gern darf dies mit einem Kuss besiegelt werden und auch dürfen die Hände gern eine Zeit lang so gebunden bleiben.

Das Binden der Hände kann ein Bestandteil einer freien Trauung sein und von einer Traurede, einen gegenseitigen Versprechen, Musik oder einem Ritual begleitet werden – ganz wie es euren individuellen Wünschen entspricht.

Ob es der der Höhepunkt der Trauung sein soll, gemeinsam mit einem zusätzlichen Tausch von Ringen passieren oder ganz für sich allein stehend, auch hier dürft ihr frei entscheiden.

Es darf ebenso einen spirituellen Hintergrund haben, wie es sich auch für eine humanistische Eheschließung eignet.

Bei der Gestaltung des Handfastingbandes gibt es wundervoll viele Möglichkeiten! Ob alle Anwesenden Segenswünsche auf das Band schreiben, Kletterseile oder Segeltaue eines verbindenden Hobbies oder ein gemeinsam für diesen geknüpftes Band – alles ist möglich und liegt in eurer Hand. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt und das Band ist ein wundervolles Andenken an diesen wichtigen Tag.

Weshalb spreche ich von den sich Trauenden und nicht von einem Paar?

Die Gestaltung des Handfastings und das Verbinden der Hände eignet sich ebenso wundervoll für Polyküle – also Beziehungsnetzwerke mehrerer sich liebender Menschen – die gemeinsam einen Bund aus Liebe eingehen möchten.

Eine standesamtliche Trauung ersetzt ein Handfasting, ebenso wie eine freie oder eine kirchliche Trauung, in Deutschland leider nicht.

Was ist eigentlich ein Handfasting?

Da mir diese Frage in den letzten Wochen immer wieder gestellt wurde, möchte ich heute die Gelegenheit nutzen, diese wunderschöne Möglichkeit einer Trauung etwas näher zu beleuchten. <3

Hast Du noch weitere Fragen?

Dann schreib mir gern unter wandelworte@posteo.de