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Zwischen den Welten – Frühlingsäquinoktium
21.03.2025

Das nächste Jahreskreisfest ist da – die Frühjahrstagundnachtgleiche, auch Frühjahrs-Äquinoktium genannt.
Natürlich möchte ich Dich auch zu diesem Fest mit in die Hintergründe, Traditionen und meine eigene spirituelle Praxis nehmen. Hast Du Lust?
Was haben die Tagundnachtgleichen mit den Jahreszeiten zu tun?
Zweimal im Jahr sind Tag und Nacht in etwa gleich lang, in perfekter Balance, ausgewogen. An diesem Tag sind die Nord- und die Südhalbkugel der Erde, gleich weit von der Sonne entfernt. Diese Ereignisse finden jeweils im März zwischen dem 19. und 21, sowie im September zwischen dem 22. bis 24. des Monats statt. Der genaue Termin verschiebt sich immer etwas, da die Umlaufbahn der Erde um die Sonne etwas länger ist, als unser Kalenderjahr.
Gleichzeitig markieren das jeweilige Äquinoktium auch den kalendarischen und astronomischen Beginn von Frühling und Herbst.
Die kulturelle und spirituelle Bedeutung des Frühlingsäquinoktiums
Die Sonne geht an diesen Tagen (außer im direkten Umkreis der Pole), fast genau im Osten auf und im Westen unter und viele Kulturen und Religionen in der Zeitgeschichte haben zu diesen Zeitpunkten rituelle Feste gefeiert oder haben wichtige Feste, die von den Tagundnachtgleichen abhängig sind. Bei den Maya, in Sumer und Babylon wurde der Tag direkt gefeiert, ebenso wie beispielsweise das Neujahrs- und Frühlingsfest Nouruz im persischen Kulturraum. Abhängig von dem Termin des Äquinoktiums sind unter anderem Ostern im christlichen Glauben, sowie Pessach oder Rosch ha-Schana im jüdischen Glauben.
Auch im keltischen und germanischen Raum wurde vermutlich zu den Terminen gefeiert. Hexen, Asatru, Druiden und viele andere Pagane zelebrieren auch heute noch Rituale zu diesen Festtagen. Bei den Druiden heißt es beispielsweise Alban Eiler (Licht der Erde), bei anderen wird der Tag in der irischen Übersetzung Meán Earraighes benannt.
Tatsächlich belegt sind im Keltentum nur die vier Feste Samhain, Imbolc, Beltane und Lugnasad. Die vier anderen Feste im paganen Jahreskreis sind nicht klar dort zu verorten (was aber diese vier Sonnenfeste – die Sonnenwenden in Sommer und Winter markieren die beiden hier noch nicht aufgezählten Speichen des Rades – nicht weniger wichtig macht).
Wer ist eigentlich die Göttin Eostre und gab es sie wirklich?
Gerade zu den Äquinoktien gibt es viele Spekulationen und möglicherweise erfundene Gottheiten. Eine Göttin Eostre wurde von dem angelsächsischen Gelehrten Beda schon um 700 benannt, ohne das heute noch nachvollziehbar war, auf welche Quellen er sich dabei stützte. In der Edda oder anderen entsprechenden Schriften existiert keine Göttin dieses Namens. Möglicherweise ist es eine Ableitung der mesopotamischen Fruchtbarkeitsgöttin Astarte. Der andere, von Hexen häufig genutzte Name des Festes, Ostara, stammt vermutlich von Jacob Grimm um 1800 (ja, genau, einer der Gebrüder), der bei verschiedenen Quellen schaute und das Fest vermutlich in Ableitung des mitteldeutschen Namens für den Monat April, ôstarmânôt, so benannte.
Dass aber eine Feier zum Beginn des Frühlings, der gerade für vom Ackerbau abhängige Völker ausgesprochen wichtig gewesen ist, in vielen Kulturen gefeiert wurde, ist stark zu vermuten. Viele benannte Traditionen dieses Festes finden sich beispielsweise im schottischen Latha na Cailliche (dem Tag der Cailleach) am 25. März. An dem Tag übergibt Cailleach, die Herrscherin des Winters, die Herrschaft an Brigid, die Herrin des Sommers.
Schlussendlich ist der Aspekt des Frühlingserwachens, der Natur, die voller Leben ins Licht drängt, Fruchtbarkeit und Wiedergeburt übergreifend ein zentrales Thema. Dies spiegelt sich auch im wiederkehrenden Auftauchen von Eiern und Hasen bei verschiedenen Kulturen, die symbolisch für Neuanfang und Fruchtbarkeit stehen.
Was bedeutet das Frühlingsäquinoktium für mich?
Für mich ist neben der Freude über das jetzt wirklich wieder erwachte Leben, aber auch immer wichtig, die gehende, schützende, nährende Dunkelheit mit Dankbarkeit für die nächsten Monate zu verabschieden. Ein bisschen noch verschlafen ins helle Licht blinzeln, mich orientieren, um in der wieder mehr ins Außen gehenden Zeit anzukommen. Den Kokon des erdverbundenen, behüteten Getragen-Seins bewusst abzulegen und Raum für die Neugier auf das Kommende zu lassen. Ein bewusster Wechsel, ein An- und Wahrnehmen der Liminalität des Moments.
Auch das Nebeneinander von Schönem und Traurigen, von Leichtem und Schwerem hat genau jetzt seine Zeit. Dinge dürfen gleichzeitig sein, ohne einander aufzuheben. Die Wahrnehmung von beidem lässt das Leichte mehr erstrahlen und gibt Kraft für das Schwere.
Gerade in diesem Jahr, wo der erste Todestag nach dem Suizid meines Queer Platonic Partners gerade hinter mir liegt, ist der Frühling bittersüß und es gibt viel, viel Nebeneinander von Trauer und Freude über das beginnende Leben.
Das Anerkennen dieser Dualität, dieser Gleichzeitigkeit, hilft mir, gnädiger mit mir selbst zu sein. Nicht immer alle tragen und aushalten zu müssen, sondern auch in den Ausgleich gehen zu dürfen. Weich und empfindsam sein zu können, um an anderer Stelle mit Kraft und Rückgrat einzutreten. In Trauer und Tränen zu gehen und das ebenso anzunehmen, wie unbändige Freude und Lebenslust an anderer Stelle, weil alles seine Zeit hat und die Balance wichtig ist.
Auch wenn es im Leben doch nicht immer ausgewogen ist.
Radikale Liebe gegen Hass und Gleichgültigkeit
28.02.2025

Gerade jetzt ist es mir ein Anliegen immer wieder zu zeigen, dass die meisten Leben bunt sind und nicht linear irgendwelchen Normen folgen.
Damit das weiterhin so bleiben kann, braucht es uns alle.
Radikale Liebe, statt Gleichgültigkeit und Hass.
Echte Gefühle, statt toxischer Positivität.
Zusammenhalt, statt Ignoranz.
Wir alle möchten unser Leben so führen, dass es sich richtig anfühlt, die Version von uns sein, mit der es uns am besten geht
Und das ist gut und richtig so. Wie dieses Leben das aussieht, ist so wunderbar vielfältig, wie die Menschheit selbst.
Selbstbestimmt leben, eigene, freie Entscheidungen treffen zu dürfen, Liebe zu fühlen, zu teilen, uns sicher und geborgen fühlen, eint uns alle.
Damit wir alle so leben können, braucht es Fortschritt, statt Rückschritt; progressive Ideen, statt konservatives Schubladendenken; Solidarität, statt Egozentrik; Mut, statt Hoffnungslosigkeit.
Niemand von uns existiert im luftleeren Raum, wir sind miteinander verbunden.
Deshalb ist es so verdammt wichtig, dass wir immer wieder dafür eintreten, ein Miteinander schaffen und uns gegenseitig unterstützen.
Wir profitieren nicht vom Leid anderer, von Neid und Missgunst. Im Gegenteil, denn das lässt uns hart werden, engt unseren Blick, unser Denken und Fühlen ein, weil ein Fokus auf Defizite, Ausgrenzung und Abwehr, auf Unterschiede uns alle vereinzelt. Das stärkt Hass und diejenigen, die davon profitieren.
Lasst uns Netzwerke bilden, uns zusammenschließen, füreinander da sein.
Wenn wir uns alleine, einsam, ausgegrenzt fühlen, dann hat die Angst ein leichteres Spiel und wer sich alleine wähnt und Angst hat, begehrt nicht auf gegen Ungerechtigkeit.
Wir müssen, dürfen nicht schweigend hinnehmen, wenn diejenigen, deren Herzen eng und freudlos sind, uns unsere Freiheit nehmen wollen. Es heißt auch nicht, dass wir in toxischer Positivität und Dankbarkeit alles weglächeln oder in der schieren Hoffnung auf Besseres alles Negative ausblenden sollen. Im Gegenteil, unsere Gefühle sind valide und dürfen Raum haben. Die Ergebnisse von Hass und Hetze sind existent und es ist wichtig sie zu benennen.
Wir können, dürfen, müssen hinschauen, Missstände benennen, die unterstützen, denen Unrecht geschieht. Ebenso können, dürfen, müssen wir aber auch Raum für Freude und Glück für uns selbst und andere erschaffen.
Mit radikaler Liebe, Solidarität und Wärme. Lasst uns die sein, die etwas im Leben anderer zum Besseren verändern. Die, die einen positiven Unterschied machen, die Trost und Hoffnung schenken. Gemeinschaft schafft Mut, Miteinander schafft sichere Räume und geteilte Freude schenkt uns Kraft
Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.
Gleichgültigkeit nimmt Freude, nimmt Mitgefühl, lässt Menschen abstumpfen, blind werden gegen Ungerechtigkeit und ebnet damit den Weg für Hass. Lasst und Bande(n) bilden, in Verbindung gehen, zeigen, warum Vielfalt und Selbstbestimmung viel schöner sind.
Aus einem Gefühl der Liebe FÜR etwas einzustehen, hat ein unglaublich großes Potenzial. Lasst es uns nutzen – mit radikaler Liebe!
Imbolc
29.01.2025

Das Rad des Jahres dreht sich stetig weiter und das nächste der 8 Jahreskreisfeste kommt bald. Um den 1. und 2. Februar feiern wir Imbolc, auch Lichtmess oder Brigid (nach der keltischen Göttin der Schmiedekunst, des Feuers und Poesie benannt), die an diesem Tag von vielen verehrt wird. Wie versprochen möchte ich Dich auch heute etwas mehr in meine spirituelle Praxis mitnehmen.
Feierst Du Imbolc und hast eine Lieblingstradition? Schreib es gern in die Kommentare, ich bin sehr neugierig darauf!
Eine Playlist habe ich natürlich auch wieder zusammengestellt.
Frühlingsgefühle
Kennst Du das kribbelige Gefühl, wenn die Natur langsam aus der Winterkälte aufwacht und sich die Pflanzen im Dunkeln der Erde zu regen beginnen, als würden sie sich strecken, dehnen und nach Ihrem langen Schlaf gähnen? Der Zeitpunkt, wenn die Säfte in den Bäumen langsam wieder beginnen zu fließen und die ersten vorwitzigen Frühblüher ihre grünen Nasen aus der Erde stecken?
Für mich ist dies ein immer wieder lang ersehnter Moment und ich kann es kaum abwarten, endlich wieder neues Leben zu sehen und die frischen Knospen zu begrüßen.
Dieses Beinahe-Gefühl schenkt mir jedes Jahr erneut eine kindliche Freude (und ich habe den Eindruck, je älter ich werde, umso stärker wird dieses Gefühl).
Genau dieses Gefühl ist für mich der Inbegriff von Imbolc. Die Natur macht sich bereit für den Frühling, neues Leben beginnt zu wachsen, es ist bereits merklich heller geworden und bald, endlich dürfen wir zarte Blüten zwischen dem braunen, erdigen Laub auf dem Boden und an den noch kahlen Ästen bewundern. Viele Tierarten erwarten deutlich Nachwuchs oder haben bereits die ersten Jungen. Das Versprechen der kleinen, zerbrechlichen Flamme des neuen Lebens, das zur Wintersonnenwende geboren wurde, beginnt sich zu erfüllen. Der Winter darf jetzt gehen und dem Frühling, dem Sprießen und Wachsen Platz machen.
Woher kommt Imbolc?
Imbolc ist eines der vier überlieferten keltischen Jahreskreisfeste. Der Name bedeutet im altirischen so viel wie „im Bauch der Mutter“ und spielt auf die keimenden Samen und das neu entstehende Leben an. Wie viele keltische Feste ist auch dieses ein Feuerfest. Gefeiert wird Imbolc am Tag der heiligen Bridgid von Kildare, die aus den Mythen der Göttin Bridgid hervorging. Der Glaube an sie und ihre Unterstützung bei Heilung, Poesie, Handwerkskunst ist, insbesondere in Irland, stark und vereint verschiedene spirituelle Strömungen.
Welche Bräuche gibt es zu diesem Jahreskreisfest?
Vorrangig in England gibt es auch beispielsweise heute noch in vielen Orten den Brauch des Wassailing. Der Begriff leitet sich von den angelsächsischen Worten für „sei gesund“ ab und beschreibt eine Zeremonie, bei der in den Obstgärten feierlich die Bäume mit Gesang aus dem Winterschlaf geweckt und gesegnet werden. Mit dabei sind Opfergaben, oft Kuchen, Met oder Apfelsaft, welche die Bäume in ihrer Fruchtbarkeit unterstützt sollen. Die Bäume selbst werden mit bunten Bändern geschmückt.
Imbolc ist ein Fest der Reinigung und des Neubeginns. Es ist Raum für Inspiration, neue Chancen und Möglichkeiten. Viele pagane Menschen verbinden die Farbe Weiß mit diesem Fest Sie ist symbolisch für diese neue, noch unbeschriebene Zeit voller Möglichkeiten. Außerdem wird natürlich auch hier gern die Chance genutzt, ein hellloderndes Feuer zu Ehren Brigids und des neuen Lebens zu entzünden. Schließlich ist es ein Feuerfest. Auch zur Visionssuche eignet sich dieser Zeitpunkt, um dem Raum zu geben, was sich zeigen und entfalten mag.
Wie feiere ich selbst das Fest?
In meiner eigenen spirituellen Arbeit verbinde ich gern verschiedene Elemente des Festes, so wie es sich gerade umsetzen lässt. Ein langer, aufmerksamer Spaziergang im Wald oder durch die Felder, bei dem ich die austreibenden Blätter begrüße, ist immer ein Teil davon. Dabei klopfe ich auch zart an Bäume, um sie symbolisch aus dem Winterschlaf zu wecken. Gern mache ich auch einen ausgiebigen Gang in die Sauna, um die Starre des Winters aus den Gliedern zu schwitzen und mit einem Salzpeeling die Haut aufzuwecken.
Auch das Flechten eines Brigid´s Cross für den Türrahmen mit meinen Liebsten ist oft Teil eines Rituals. Wir laden rituell den Schutz der Göttin für das Haus und seine Bewohner*innen in das Flechtwerk ein. Das Kreuz hängt dort das ganze Jahr und das alte wird im Imbolc Feuer vorher verbrannt. Es soll traditionell vor Feuer und Krankheit schützen und es ist auch durchaus dekorativ.
Vom Anfänger*innengeist & Wunderfragen
01.01.2025

Auch wenn Neujahr nur ein Datum ist, birgt dieser Tag ja doch immer auch einen Funken Neugier und Hoffnung auf Gutes, was da kommen mag. Ein Gefühl von Neustart, Chancen und frischen Ideen, ein bisschen wie frischer Schnee, der darauf wartet, dass wir unseren Fußabdruck hinterlassen.
Dem Zauber, der allem innewohnt, was neu beginnt und mit einer Fülle von Möglichkeiten lockt, ist heute doch ziemlich präsent.
Um Anfänger*innengeist und Wunder geht es hier heute. Wir fangen also ganz klein an 😉
Ich habe ein bisschen in meiner systemischen Werkzeugkiste gekramt und eine meiner Lieblingsübungen mitgebracht.
Hast Du Lust auf ein Gedankenspiel, um die Spinnenweben aus dem Kopf zu schütteln, die das Winterdunkel dort mit Ruhe und Beschaulichkeit gewebt hat?
Das Konzept der Haltung des Anfänger*innengeistes
Die Idee des Anfänger*innengeistes stammt aus der Philosophie des Zen und beschreibt eine innere Haltung, Situationen, Ereignissen und dem Leben mit einer neugierigen, offenen, (vor-)urteilsfreien, unvoreingenommenen Aufmerksamkeit zu begegnen.
Zu schauen, was wir lernen, erfragen, gestalten, genießen können, ohne bereits Fahrpläne, fertige Konzepte und starre Grenzen vorauszusetzen.
Wenn wir uns selbst erlauben Anfänger*innen zu sein, dann ist die Erwartungshaltung an uns selbst nicht so hoch und wir gestatten uns eher auch mal Fehler zu machen. Vor allem aber eröffnen wir uns so die Möglichkeit für neue Blickwinkel, Ein- und Ansichten und Ideen.
Klingt auf den ersten Blick einfach, aber ist es das wirklich?
Diese Haltung ist ganz sicher für die Meisten von uns ungewohnt, denn Abläufe, Routinen, Rituale, Vorgaben geben ein Gefühl der Sicherheit. Auf den ersten Blick kosten sie auch viel weniger Kraft, als immer für alles neue Wege zu finden, und dafür die Energie aufzubringen.
Aber ist das immer so und gilt für alle Situationen?
Für einige sicherlich. Vielleicht merkst Du aber auch, dass es andere Bereiche in Deinem Leben gibt, wo sich die Routine mühsam anfühlt, vielleicht sogar schwer und schmerzhaft.
Alles ist verbunden und beeinflusst einander
In der Systemischen Psychologie wird davon ausgegangen, dass wir alle in unterschiedlichen sozialen Systemen miteinander verbunden sind und mit unserem Umfeld, unseren Lebensbedingungen, in Beziehung stehen. Auch wir als Individuen sind ein eigenes System, das von unseren Erfahrungen, Werten und Gefühlen geprägt wurde. Systeme neigen dazu, sich in allererster Linie selbst zu erhalten, auch wenn es zu ungesunden oder nicht mehr passenden Mustern gekommen ist. Deshalb ist es manchmal gar nicht so einfach, mit Anfänger*innengeist auf eingefahrene Situationen zu schauen. Es gibt viele verschiedene Einflüsse, Wechselwirkungen und Dynamiken, die uns bisweilen dabei zurückhalten.
Deshalb möchte ich Dir heute eine ganz praktische und wie ich finde, sehr gut zu diesem Tag passende Übung vorstellen, um einen neuen Ansatz zu erhalten.
Die Wunderfrage
Sie gibt uns die Möglichkeit, unsere Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten und die Lösung in den Mittelpunkt zu stellen, statt des Problems.
Gerade in Zeiten, wo wir unsicher sind, was unser Ziel ist oder wir uns an etwas festgebissen haben, bietet sie uns die Chance, unseren Blickwinkel und unser Handeln zu ändern. Ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es sich anfühlt, wenn wir unser Ziel bereits erreicht haben und so neue Ideen für den Weg dorthin zu bekommen.
Die Wunderfrage ist ein ganz spannendes und wunderbares Werkzeug und wurde von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer, einem amerikanischen Psychotherapeut*innenpaar, entwickelt. Sie entstand als Teil der von den Beiden gegründeten Lösungsorientierten Kurzzeittherapie, die ein wesentlicher Teil der systemischen Therapie ist.
Nun aber genug Theorie!
Stell Dir vor, Du wachst heute Morgen auf und Dein größtes Problem hat sich auf einmal über Nacht wie durch ein Wunder aufgelöst.
- Woran würdest Du es zuerst erkennen?
- Woran würden es Dein Umfeld erkennen, ohne dass Du es erzählst?
- Was würdest Du tun?
- Wie fühlt es sich an?
- Wohin lenkst Du nun Deine Schritte?
- Was würdest Du anders machen als bisher?
Hast Du Lust? Probier es doch aus!
Du bist Expert*in für Dich und Dein Leben. <3
Liminale Räume – Schwellenzeiten
25.12.2024

Liminale Räume – ein sperriger Begriff.
Was meint er, was ist das dahinter liegende Konzept?
Und warum taucht er hier immer wieder auf?
Diese Schwellenzeiten haben für mich und in meiner Begleitung von Menschen eine große Bedeutung, denn dies sind die Zeiten, in denen ich unterstützen und begleiten darf.
Deshalb möchte ich Dir gern etwas darüber erzählen.
Zwischen den Jahren, nicht mehr hier und noch nicht dort. Das ist vermutlich der Zwischen-Raum, der den meisten Menschen bekannt ist und wenn es nur in der Benennung dieser Zeit ist. Genau diese Art Zwischen-Raum, Zwischen-Zeit, Wandelzeit zeichnet liminale Räume aus. Magst Du mehr darüber erfahren? Dann lies die folgenden Absätze.
Die ethnologische Bedeutung und Entstehung des Begriffs des liminalen Raums
Liminale Räume, Schwellenzeiten, Wandelzeiten, all diese Worte bezeichnen Zeiten, in denen wir uns zwischen dem Ende von Etwas und dem Beginn von etwas Neuem befinden. Sie bezeichnen Übergänge, initiatorische Prozesse, Weg-Zeiten, Umbrüche, allgemein Zwischen-Zeiten im Leben. Hier ist Veränderung, Neuerung, Wandel, Transformation möglich.
Der Begriff wurde in den 1960er Jahren vom Ethnologen Victor Turner geprägt und er benennt drei Phasen, die Übergänge auszeichnen:
- Trennungsphase
- liminaler Raum,
- Angliederungsphase
Seine Arbeit beruht auf der Definition von Übergangs- oder Passageriten, die der Ethnologe Arnold van Gennep um 1909 entwickelte.
Er beobachtete, dass Menschen im Verlauf ihres Lebens zahlreiche Übergänge erleben. Sei es zwischen Lebensphasen, sozialen Zuständen oder der äußeren Welt und der eigenen Vertrauten erleben. Auch die Erkenntnis, dass diese Übergänge in nicht-industriellen Gesellschaften fester Bestandteil des Lebens sind und mit entsprechenden Ritualen begleitet werden, hat er in seinen Studien dargelegt.

Liminale Räume und Schwellenzeiten in unseren Leben
Auch in unserer, durchaus industrialisierten Gesellschaft, erleben wir diese Phasen und auch hier ist das Bedürfnis nach ritueller (nicht zwingend spiritueller) Begleitung und/oder psychosozialer Unterstützung bei den meisten Menschen vorhanden.
Schwellenzeiten können wir bewusst in rituellen Prozessen erleben.
Geplant oder ungeplant, unwillkürlich oder vorhergesehen, erwünscht und auch oft unerwünscht betreten wir sie auch in Umbruchzeiten unseres Lebens. In dem Moment, wo sich etwas akut ändert, bis zu dem Moment, wo der Boden unter unseren Füßen wieder fest wird oder wir zumindest einen Abschluss finden, befinden wir uns in dieser Schwellenzeit.
Das Gebären eines Kindes, die Pubertät, Migration, Hochzeiten, Eintritt in die Verrentung oder die Zeit zwischen dem Tod eines geliebten Menschen und der Bestattung sowie wie viele andere Situationen, sind solche Momente.
Unterstützung in Schwellenzeiten
In vielen Kulturen sind und waren es genau diese Zeiten, in welchen spirituelle Begleiter*innen, Hebammen, Heiler*innen unterstützten, weil sie zerbrechlich, intensiv und elementar sind. Menschen brauchen in diesen Zeiten Unterstützung, Beistand, Schutz und Trost, um von dem Einen ins Andere zu gelangen. Ob nun, wie oft geglaubt wurde, aufgrund von Einflüssen von Wesen der Zwischenwelt oder ganz weltlich aufgrund der starken Veränderung, ist nicht relevant.
Auch viele der von van Gennep benannten Riten finden wir in unserer Gesellschaft: Schulabschlussfeiern, Hochzeiten, Trauerfeiern, Taufen … Oft allerdings in einem religiösen Kontext, der eben nicht für alle Menschen der richtige Raum oder die für sie individuell stimmige Religion ist. Auch finden wir eben nicht für alle Schwellenzeiten, denen wir im Leben begegnen mögen, gesellschaftlich verankerte Rituale. Initiation ins Erwachsensein, den Übergang in die eigene Elternschaft, bewusste Lebensabschiedsfeiern und vieles mehr schaffen oft den Wunsch nach einer Zeremonie, nach einer Markierung dieser wichtigen Schwelle.
Wir haben die Erlaubnis
Genau dafür dürfen wir aber eigene, individuelle Wege finden, diese Schwellenzeiten zu begehen und uns Unterstützung oder Begleitung suchen.
Für mich ist es immer wieder eine ganz intensive Erfahrung, Menschen in solchen Wandelzeiten begleiten zu dürfen und genau die Riten mit ihnen zu entwickeln, die sie auf diesem Weg unterstützen. Das kann ganz weltlich sein oder spirituelle Anklänge haben, wichtig ist allein, dass es beim Beenden und Beginnen, beim Übergang Kraft und Halt bietet; je nach Situation auch Trost oder unbändige Freude.
Zwischen den Welten: Wintersonnenwende
21.12.2024

“Wintersonnenwende!
Nacht ist nun zu Ende!
Schenkest, göttliches Gestirn,
neu dein Herz an Tal und Firn!”
Mit diesen schönen Worten beginnt Christian Morgenstern sein Gedicht zur Morgendämmerung nach der längsten Nacht des Jahres. Das Licht kehrt nun immer länger und kraftvoller zurück in unser Leben.
Es ist eine Zeit für Neubeginn, Lebenskraft, Mut und Wachstum. Wenn Du magst, nehme ich Dich ein wenig mit in den Zauber der Wintersonnenwende.
Was ist die Wintersonnenwende?
Die Wintersonnenwende ist das Gegenstück zur Sommersonnenwende. Ab diesem Zeitpunkt beginnen die Tage Stück für Stück wieder ein bisschen heller zu werden. Zur Wintersonnenwende hat die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne den Punkt erreicht, ab dem sich die Nordhalbkugel wieder stärker der Sonne zuneigt. Dieses Jahr fällt der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres auf den 21. Dezember.
Auch wenn das neugeborene Licht nun noch ganz zart, klein und jung ist, wohnt ihm doch ein Versprechen inne. Darum ist dieses Fest, wie es auch in allen Zeiten und Kulturen genannt wurde, immer ein Fest der Freude, der Hoffnung und des Neubeginns gewesen. Die Wintersonnenwende zeigt, dass auf Dunkelheit Licht folgt und dieser Trost, diese Gewissheit erreicht uns ganz tief.
Auch für mich ist das länger Werden der Tage in jedem Jahr ein wichtiger, ersehnter Moment voll Glück und Neugier, was das kommende Jahr bringen mag.
Licht und Hoffnung, Mitgefühl und füreinander da sein: Das brauchen wir alle, einige von uns ganz besonders.
Auch wenn es nach wie vor genug Schweres und Bedrückendes gibt, ist ein Fokus auf etwas Beginnendes, etwas, was Dir Kraft und Inspiration schenkt, genau jetzt ganz wunderbar und richtig.
Etwas zu erschaffen, zu schaffen, auf den Weg bringen und hegen hilft dabei, selbstwirksam zu sein, Energie zu fühlen und auch weiterzugeben.
So feiere ich die Wintersonnenwende mit meinen Lieben
Bei uns leuchtet Jahr für Jahr ab dem 1. Dezember eine Julspirale jeden Tag ein wenig mehr im Kerzenschein, um die Vorfreude auf die neugeborene Sonne zu symbolisieren. An Jul selbst feiern wir die Wiedergeburt des Lichts. Ganz im Dunkel beginnen wir, und lesen gemeinsam im Schein einer einzigen Kerze die wunderschöne Geschichte „The rebirth of the sun“ von Starhawk (Du findest die Geschichte auf Seite 3 im Link). Ebenso wie in der Geschichte danken wir der Sonne, für all das, was sie im Lauf des Jahres für uns tut. Ohne sie gäbe es keine Winde und keinen Regen, würde Nahrung nicht wachsen, keine Wärme, kein Licht sein.
Danach darf die jüngste anwesende Person zunächst alle Lichter der Julspirale und danach alle Kerzen im Raum entzünden um die Fülle des Lichts und der Wärme zu spüren. Wir bleiben noch eine Weile behaglich im Kreis unserer Lieben und im Schein der kleinen Flammen sitzen, singen zusammen, teilen Kekse und Punsch. Hier habe ich eine Playlist für die Yule-Stimmung zusammengestellt.
- Was ist Dein Thema für das kommende Jahr?
- Was gibt Dir Hoffnung und Freude?
- Welches kleine Samenkorn möchtest Du wachsen und gedeihen lassen?
Ohje, Du fröhliche – 11 Ideen für entspanntere Feiertage für neurospicy Menschen
18.12.2024

Die Feiertagsdichte steigt im Dezember stark und die allgemeine Erwartungshaltung daran ebenso.
Als würde der Druck nicht ausreichen, sind diese Tage für viele Menschen nicht unbedingt besinnliche Fröhlichkeit, sondern unsicherer Boden. Für neurodivergente Menschen, Trauernde, Menschen mit angespannten familiären Verhältnissen sind gerade diese Tage oft verdammt anstrengend.
Wir sind hier ein Haushalt mit drei neurospicy Menschen und kennen das dezemberliche Kreiseln gut. Im Laufe der Jahre haben wir einiges für uns optimieren können (und trotzdem ist es oft wirklich viel), aber ich freu mich immer über neue Ideen!
Du denkst: „Ja, hier auch!“?
Dann lies die nächsten Absätze, vielleicht ist die eine oder andere gute Idee für Dich dabei.
Wenn Du noch andere Tipps hast, schreib mir eine Nachricht!
Neurospicy zwischen Lichterketten
Alles ist bunt, laut und blinkt? Duftet stärker und auch noch ungewohnt? Besonderes Essen, mehr Zucker, viele Menschen und Verabredungen, überraschende Geschenke, sozialer Druck und vielleicht auch noch mehr Körperkontakt ….
Für mich reicht schon ein Bruchteil davon aus, um das Stresslevel in ungeahnte Höhen zu bringen und den Wunsch nach einer einsamen Insel ohne Lichterketten groß werden zu lassen. Gerade nachdem dies ja schon seit Mitte November überall gegenwärtig ist, ist die Reizschwelle ab Mitte Dezember schon fast erreicht und die eigentlichen Feiertage kommen ja noch…
Es ist total ok, wenn Du das alles nicht möchtest oder zumindest nicht alles. Soziale Erwartungen sind und bleiben aber einfach immer ein Thema, deshalb ist es manchmal einfacher den Druck etwas rauszunehmen, als alles komplett abzusagen.
Mein erster Ansatz ist eigentlich immer: Bring Klarheit rein.
- Was ist für Dich das Anstrengendste?
- Wovon fühlst Du Dich am stärksten unter Druck gesetzt?
- Was braucht es, um die Situation für Dich entspannter zu machen?
Ideen für mehr Entspannung auf dem Spektrum
1. Den Druck rausnehmen:
Plane genug Pausen ein, in denen Du Deine bevorzugten Methoden zum Runterkommen für Dich nutzt. Sozialer Kater ist für viele neurodivergente Menschen ein bekanntes Erleben und mehrerer Tage hintereinander 24/7 viele Reize und Begegnungen sind oft zu viel. Klare Verabredungen und Absprachen helfen (und idealerweise mindestens ein Tag Pause dazwischen!)
2. Bedürfnisse benennen:
Wer das laute Treiben im eigenen Kopf nicht kennt, erkennt nicht von selbst, was potentiell anstrengend ist. Rechtzeitig klar und positiv benannte Bedürfnisse irritieren also möglicherweise die, die es nicht kennen, reduzieren aber das Risiko von Überforderung und Konflikten an den Feiertagen selbst.
3. Alternativen aufzeigen:
In Island wird an Weihnachten gemeinschaftlich gelesen, finde ich persönlich ja eine super Idee. Vielleicht findet ihr ja gemeinsam eine schöne Alternative zu den bisherigen Traditionen (wenn das für Dich nicht mehr Stress bedeutet, weil sich etwas ändert). Ein Weihnachtsfilm bei Punsch und Keksen? Eine Schnitzeljagd?
4. Comfort food schmeckt auch zu den Feiertagen:
Vielleicht muss es dieses Jahr nicht das klassische Festtagsessen sein? Bei uns hat sich ein bunter Tisch voll verschiedener Speisen eingebürgert, zu dem alle etwas beitragen. Da hat Dein Lieblingssicherheitsessen auch Platz.
5. Überraschung!
Das ist (zumindest in meiner Erfahrung) eine der konfliktträchtigsten Situationen: Geschenke. Während viele Menschen sich sehr über Geschenke mit unerwartetem Inhalt freuen (oft stecken da ja wirklich viele liebe und gute Gedanken dahinter), kann es für Menschen auf dem Spektrum wirklich viel Stress bedeuten. Schnell an die Situation anpassen, ein positives Gefühl zeigen, obwohl man sich erst damit auseinandersetzen möchte und alle warten auf eine Reaktion. Bei uns haben sich drei Wege gefunden über die Jahre (und nein, das war nicht ganz einfach): Absprechen, das gegenseitig wirklich nichts geschenkt wird; klare Wünsche werden genannt und geschenkt; es wird gewichtelt (damit reduziert sich die Häufigkeit auf ein Geschenk)
6. An die Luft:
Verdauungsspaziergänge sind gesellschaftlich anerkannt. Im Wald oder Park ist es normalerweise ruhiger, der Duft vom Plätzchen, Essen, Kerzen und Tante Annes Parfüm ist auch erstmal weg und nichts blinkt!
7. Ohrstöpsel helfen:
Häufig ist die Anzahl der anwesenden Personen an Festtagen höher als üblich. Mehr Stimmen, mehr Geschirrgeklapper, (hoffentlich auch) mehr Lachen und dazu noch Musik. Es gibt mittlerweile ein großes Angebot an Ohrstöpseln, die sowohl dezent als auch wirklich funktional sind. Wenn für Dich das Gefühl von Stöpseln im Ohr nicht sensorisch überfordernd ist, lohnt es den Versuch! Mittlerweile gibt es viele Modelle, die die Lautstärke, aber nicht die Sprachverständlichkeit verringern und Gespräche weiter möglich machen. Auch Noise-Cancelling-Kopfhörer können helfen, fast alle haben mittlerweile eine gute Einstellung, Sprache trotzdem durchzulassen.
8. Geschenke, Geschenke:
Traditionell ist die Bescherung in vielen Familien nach dem Essen, ganz gemütlich, ihr wisst schon. Gerade bei Menschen mit ADHS kann warten starken Stress auslösen, da kann es den Tag für alle deutlich entspannen, wenn es die Geschenke morgens gibt. Bei uns hat sich seit Jahren eingespielt, dass die Geschenke von Freund*innen, Pat*innen, Familie über mehrere Tage verteilt werden, weil sonst oft die Menge an neuem Input die Freude an den einzelnen Geschenken nimmt. Außerdem gibt es so Dopaminlieferungen an mehreren Tagen, ist doch super! Und ja, auch positiver Stress ist hier Stress.
9. Routinen sind gut:
Wenn es Dir Stabilität gibt tägliche Routinen zu haben, dann versuch dabei zu bleiben. Auch wenn vielleicht nicht alle klappen, ist ein klarer Rahmen besser, als keiner. Essenszeiten, Schlafenszeiten, Sport – Was auch immer wichtig ist, plane es ein.
10. Aufklärung:
Wo wir gerade schon über Geschenke sprechen! Es gibt mittlerweile viele tolle Bücher über Autismus und ADHS. Wenn Dein Umfeld dafür offen ist (das wünsche ich Dir!), dann wäre das doch vielleicht eine Geschenkidee? Hier habe ich ein paar Titel verlinkt, die ich richtig klasse finde.
11. Stimming hilft:
Es ist wirklich schade, dass viele von uns sich Stimming mehr oder weniger abgewöhnt haben, weil es gesellschaftlich oft aneckt (zumindest körperliches stimmen). Es gibt mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Stimmingtoys zum Kreiseln, Drehen, Schieben, Beißen. Sogar ganz dezente Ringe zum Drehen oder mit kleinen Kugeln zum Schieben.
Vielleicht ist ja das ein oder andere dabei, dass Dir hilft, die Feiertage entspannter zu verbringen. Ich wünsche Dir eine wunderschöne Zeit, mit der richtigen Mischung aus Ruhe und freudiger Erwartung.
Geborgenheit im Winterdunkel
11.12.2024

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mir fehlt im Winterhalbjahr das Tageslicht immer wieder stark. Die Wintersonnenwende ist deshalb in jedem Jahr für mich ein ganz wichtiger Zeitpunkt, weil ab jetzt die Tage wieder länger werden und jedes kleine, zarte Grün im beginnenden Frühling wird von mir mit heller Freude begrüßt. Gerade in diesem Jahr, wo ich neben einigen freudvollen Festen auch viele trauernde Zugehörige begleitet habe und selbst zwei sehr nahe Todesfälle betrauere, sehne ich mich nach den helleren Tagen.
Aber ein wichtiger Teil der Freude über das Licht ist eben auch die dunkleren Tage bewusster wahrzunehmen und sie nicht als bedrückend, sondern als nährend und beschützend zu erkennen.
Wenn Du Lust hast auf Impulse & Gedanken für die kommenden Wochen, dann schau gern in die nächsten Zeilen!
Warum schlägt uns die Dunkelheit so aufs Gemüt?
Die Dunkelheit in der Winterzeit löst bei vielen von uns Schwermut und Müdigkeit aus. Tatsächlich ist das physiologisch sogar ganz einfach zu erklären, denn das fehlende Licht erhöht die Produktion von Melatonin, dem Hormon, das unsere Körper Müde macht. Gleichzeitig bilden wir ohne Sonnenlicht weniger Vitamin D und durch das fehlende Vitamin D auch weniger Serotonin, das sogenannte „Glückshormon“.
Auf den folgenden Slides möchte ich Gedanken, Impulse mit Dir teilen. Möchte Dich mitnehmen in mein Winterdunkel und vielleicht ein paar kleine Lichtfunken zu Dir tragen, die Dir guttun.
Diese Impulse sind kein Ersatz für fachkundige Behandlung und Unterstützung. Wenn Du Dich wirklich niedergeschlagen fühlst oder in tiefer Trauer bist, dann darfst Du Dir Unterstützung suchen. Du bist wichtig! Hier findest Du Anlaufstellen für Krisensituationen.
Zur Ruhe kommen
Die Natur nutzt die kalten Monate mit wenig Sonnenlicht um Pause zu machen und zur Ruhe zu kommen. Dies ist etwas, das uns abhandengekommen ist in den letzten Jahrzehnten. Statt unseren Tagesrhythmus dem Sonnenstand wenigstens ein bisschen anzupassen, sind die letzten Monate des Jahres für die meisten von uns voll Stress und Terminen. Das führt zusätzlich zum fehlenden Sonnenlicht dazu, dass wir uns angespannt fühlen.
Welche Aufgaben, Termine und Verabredungen kannst Du delegieren? Was tut Dir gerade wirklich gut und was gehört zu den Dingen, die Du nur tust, weil Du das Gefühl hast, dass es erwartet wird? Wozu möchtest Du lieber „nein“ sagen?
Du darfst das.
Wie ein Samenkorn
Das Dunkel um uns kann sich auch umhüllend, tröstlich, schützend anfühlen. Geborgen, wie ein Samenkorn in der Erde, das umhüllt von der nährenden Erde darauf wartet auszutreiben, zu wachsen und zu gedeihen.
Wir dürfen die Zeit nutzen um zu Ruhen, zu Träumen, das Jahr Revue passieren lassen. Dürfen uns die Zeit nehmen, genau hinzuschauen, unsere Gefühle und Gedanken zu sortieren. Die inneren Bilder zu betrachten und uns zu erinnern, aufmerksam und sanft mit uns selbst zu sein.
Lichterfunkeln
Etwas, was mich in dieser Jahreszeit berührt und glücklich macht, sind die wundervoll strahlenden Lichter in Fenstern und Bäumen. Kleine Sonnenfunken im Dunkel, die selbst kurze Wege in ein freundliches und verheißungsvolles Licht tauchen.
Dankbar bin ich all diesen Menschen, die ihre Lichter in die Welt gesetzt haben, um sie uns, denen, die wir vorbeigehen, zu schenken.
Diese Lichtfunken (physische, wie auch herzliche) auch für andere zu entzünden kann – wenn wir es nicht aus einer klammheimlichen, eigennützigen Idee heraustun – unser Serotonin übrigens auch unterstützen.
Herzenswärme
Lasst uns aufeinander achten, zuhören, miteinander reden. In Kontakt miteinander treten – sei es auch nur virtuell oder per Telefon, unsere Gegenüber fragen, was genau gerade am meisten fehlt.
Karten schreiben und Briefe an Freunde und Bekannte, an Alten- und Pflegeeinrichtungen. Denen eine Kleinigkeit an die Türen hängen, von denen wir wissen, dass sie allein sind.
Wärme und Lebensmittel an die unterstützenden Einrichtungen geben, für die, die das Leben nicht gut getragen hat.
Soziale Kontakte fördern die Ausschüttung von Oxytocin – ein Hormon, das genau wie Serotonin für Wohlbefinden und Glücksgefühle verantwortlich ist.
All das ist ein Licht, das das Dunkel ein bisschen heller werden lässt
Energie in Bewegung
Auch wenn es auf den ersten Blick paradox klingt, kann uns Bewegung helfen, zur Ruhe zu kommen, besser mit uns selbst in Kontakt zu sein, Gefühle zu verarbeiten und positive Gefühle auslösen. Es gibt ganz unterschiedliche Qualitäten dabei. Bewegung an der frischen Luft, vielleicht sogar in ein paar Sonnenstrahlen, unterstützt die Bildung von Vitamin D und fördert damit ganz automatisch die Stimmung.
Sanfte Bewegung löst Spannungen, bringt uns in Kontakt mit unseren Emotionen und unserem Körper, beruhigen unsere Nerven und unterstützen das innere Gleichgewicht.
Für mich ist tanzen oder Yoga immer ein guter Weg. Was tut Dir gut?
Selbstwirksamkeit in Schwellenzeiten
04.12.2024

Wenn Du mir hier schon ein bisschen länger folgst, bist Du vermutlich schon häufiger über das Wort Selbstwirksamkeit gestolpert. Für mich ist es eine der Säulen für einen guten, stärkenden Umgang mit Veränderungen und in Schwellenzeiten. Deshalb möchte ich heute das Konzept, das ursprünglich vom Psychologen Albert Bandura in seiner sozial-kognitiven Theorie in der 1970er Jahren entwickelt wurde, ein bisschen näher beleuchten.
Was ist Selbstwirksamkeit?
Selbstwirksamkeit meint das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die Überzeugung in herausordernden Situationen durch das eigene Handeln eine positive Veränderung bewirken zu können und sie erfolgreich zu bewältigen. Viele Studien* belegen, dass Selbstwirksamkeit unser Fühlen, Denken und Handeln nachhaltig beeinflusst. Es ist der innere Motor, der uns antreibt, Ziele zu verfolgen, Hindernisse zu überwinden und Herausforderungen als Chancen für Wachstum anzusehen.
Warum ist Selbstwirksamkeit wichtig?
Wenn wir das Gefühl von Einfluss, Handlungsfähigkeit und Gestaltungsspielraum haben, ist der Eindruck des Ausgeliefertseins weniger stark. Gerade in Krisensituationen, Schwellenzeiten und bei chronischen Erkrankungen kann das einen starken Unterschied machen und eine stabilisierende Wirkung erzielen.
Eine starke Selbstwirksamkeit hat zahlreiche positive Auswirkungen auf unser Leben. Sie beeinflusst unsere psychische Gesundheit positiv, indem sie Stress und Ängste reduziert.
Selbstwirksamkeit vs. Selbstwertgefühl vs. Resilienz
Diese Konzepte sind eng miteinander verknüpft, sind aber nicht dasselbe. Selbstwirksamkeit wurde ja bereits definiert, schauen wir uns also die beiden anderen Begriffe an.
Selbstwertgefühl ist die Bewertung des eigenen Selbstbildes und damit eine grundlegende Wahrnehmung und Haltung gegenüber der eigenen Person.
Resilienz ist die Fähigkeit, sich von Rückschlägen, Krisen oder stressigen Situationen zu erholen und gestärkt daraus hervorzugehen.
Alle drei Konzepte können einander beeinflussen. So kann beispielsweise eine hohe Selbstwirksamkeit die Resilienz stärken, indem sie das Vertrauen in die Fähigkeit fördert, mit Herausforderungen umzugehen. Ein starkes Selbstwertgefühl kann ebenfalls die Resilienz unterstützen, weil es uns hilft, uns in schwierigen Zeiten wertvoll und fähig zu fühlen.
Wie entsteht Selbstwirksamkeit?
Der Psychologe Albert Bandura, der das Konzept der Selbstwirksamkeit entwickelte, hat vier Quellen der Selbstwirksamkeit benannt: Eigene Erfahrung – Beobachtung anderer – verbale Verstärkung durch andere – Interpretation körperlicher und emotionaler Empfindungen
Seiner Ansicht nach sind haben sie in dieser Reihenfolge Einfluss auf die Selbstwirksamkeit.
In den folgenden Absätzen gehe ich genauer auf diese Quellen und wie wir sie üben können ein.
Selbstwirksamkeit üben – Beobachtung
Wenn wir Menschen beobachten, die in unseren Augen erfolgreich Herausforderungen meistern, können wir damit tatsächlich auch unsere eigene Selbstwirksamkeit steigern.
Je ähnlicher uns diese Vorbilder sind, umso stärker beeinflussen sie uns. Dabei ist es übrigens relativ unwichtig, ob die Personen real oder fiktiv, aus dem persönlichen Umfeld oder aus dem öffentlichen Leben sind.
Hier sind beispielsweise Selbsthilfegruppen oft hilfreich, weil wir dort auf Menschen mit ähnlichen Geschichten treffen.
Was macht Dein Vorbild, das Du Dich (bisher) nicht traust? Wie geht es mit schwierigen Situationen um? Was sind die Überzeugungen?
Selbstwirksamkeit üben – positive Rückmeldung
Lob und verbale Unterstützung helfen!
Je glaub- und vertrauenswürdiger Du jemanden empfindest oder als Expert*in wahrnimmst, umso mehr. Insbesondere, wenn die verbale Erfolgsverstärkung an Deine eigenen Erfolge anknüpft.
Das gilt ebenso auch für die interne, eigene Kommunikation mit uns selbst. Die eigenen Erfolge wahrzunehmen, uns selbst danken und zu Erfolgen gratulieren, ist wunderbar wichtig und aufbauend.
Selbstwirksamkeit üben – körperliche & emotionale Empfindungen wahrnehmen
Unsere körperlichen und emotionalen Empfindungen beeinflussen unser Handeln und unsere Wahrnehmung von unserer Selbstwirksamkeit.
Der erste Schritt ist uns bewusst zu sein, wie es uns geht, die Empfindungen erstmal ganz wertfrei zuzulassen und dann zu schauen, woher sie kommen. Je besser wir unsere emotionalen und körperlichen Reaktionen erkennen und verstehen, desto besser können wir positive Strategien für den Umgang damit finden.
Zwischen den Welten: Samhain
30.10.2024

Der letzte Tag beziehungsweise die letzte Nacht des Oktober ist Samhain (gesprochen in etwas „Sah-vin“ oder „Sow-in“, [ˈsawəɲ]). Genau genommen ist es der Neumond Anfang November, der in diesem Jahr tatsächlich am ersten November stattfindet und somit das kalendarische und die Mondphase zusammenbringt.
Das Fest hat vorchristliche, keltische Wurzeln und ist auch heute noch oder wieder eines der 8 Feste des paganen Jahreskreislaufs.
Wofür steht Samhain?
Samhain läutet den Beginn der dunklen Jahreszeit, des Winters ein. Alle Früchte des Sommers sind geerntet und verarbeitet, das Tageslicht ist spürbar kürzer geworden und die Temperaturen sind gesunken.
Es heißt, dass in dieser Nacht die Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Ahn*innen, denen die vorangegangen sind, dünn ist. Im Volksglauben schloss dies auch die Nähe zur Anderswelt, der Welt der Feen und Mythenwesen mit ein.
In dieser Nacht ist es Brauch, den Verstorbenen zu Gedenken. Geschichten über sie zu erzählen, ihre Lieblingsspeisen zu kochen und einen Teller für sie bereit zu stellen. Kerzen zu entzünden und mit Räucherwerk die guten Wünsche und vielleicht auch Gebete ins Universum zu senden.
Auch den Mythengestalten wurden und werden mancherorts Speiseopfer bereitgestellt, um sie zu besänftigen.
Was bedeutet Samhain für mich?
Für mich ist es eine Nacht der Einkehr und Erinnerungen, eine Nacht für Geschichten, Chanten, Ahn*innenbilder, Lagerfeuer, Dankbarkeit, Lachen und Tränen.
Ahn*innen schließt für mich nicht nur diejenigen ein, mit denen ich verwand bin. Für mich meint es alle, zu denen ich ein emotionales, persönliches Verhältnis habe, zu denen ich mich zugehörig fühle.
Auch derer, die für mich prägende Personen der Geschichte sind, beispielsweise queere Vorkämpfer*innen wie Marsha P. Johnson, gedenke ich oft in dieser Nacht.
Es ist auch eine Nacht für Rückschau auf das vergangene Jahr.
Zu schauen
- Was darf mich weiter begleiten
- Was möchte oder sollte ich hinter mir lassen
- Wofür bin ich dankbar.
Samhain ist der Beginn des Neuen, das mit einer Phase der Ruhe und Stille beginnt. Gleich einem Samenkorn, das geschützt in der dunklen, nährenden Erde schlafend auf Licht und Wärme wartet, um zu keimen und auszutreiben.
Hier habe ich Dir meine Samhain-Playlist auf Spotify verlinkt. Vielleicht inspiriert Dich ja das ein oder andere Lied davon.
Feierst Du Samhain?
Was bedeutet das Fest für Dich?
Warum schreibe ich gerade so viel zum Thema Suizid?
21.09.2024

Welttag der Suizidprävention
10.09.2024

TW: Suizid
Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention.
Ein verdammt wichtiger Tag, denn 2023 beendeten 10.300 Menschen ihr Leben durch Suizid. Laut der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention ist die Zahl dreimal so hoch wie die der im Straßenverkehr verstorbenen Menschen.
Mir liegt dieses Thema als Suizidhinterbliebene sehr am Herzen.
Gerade auch, weil immer noch so viel Schweigen, Verurteilung, Scham, Unausgesprochenes im Raum stehen.
In den kommenden Wochen und Monaten werde ich sicherlich noch einiges zu dem Thema posten, aber heute geht es um die Suizidprävention.
Warum Therapieangebote wichtig sind
An erster Stelle steht meines Erachtens ein leicht zugänglicher Weg zu Therapieangeboten und eine Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen.
Solange es zu wenig Kassensitze für Psychotherapeut*innen gibt, solange können auch viele Menschen keine Unterstützung bei psychischen Erkrankungen und akuten Krisen bekommen.
Ja, es gibt die Möglichkeit zu versuchen über die Kassen einen Therapieplatz zu bekommen und bei genug Ablehnungen kann auch ein*e Kassenpatient*in die Kostenübernahme für eine privat zu zahlende Therapie einreichen.
Aber es klappt eben doch nicht immer so leicht und vor allem auch ein großer Aufwand, für den oft die Kraft eben nicht mehr da ist.
Es braucht langen Atem um an Therapieplätze zu bekommen. Mut und Überwindung immer wieder Praxen abzutelefonieren, nach freien Plätzen und Wartelisten zu fragen, sich abwimmeln zu lassen und trotzdem nicht aufzugeben.
Unterstützung darf kein Privileg sein
Wenn dazu noch social anxiety oder eine Neurodivergenz kommen, die telefonieren erschweren, dann wird es ganz eng. Barrierearm über schriftliche Kontaktaufnahme einen Therapieplatz zu bekommen ist immer noch eine große Ausnahme und selten erfolgreich. Das kann und darf so nicht bleiben.
Therapien und Unterstützung bei psychischen Erkrankungen und Krisen darf kein Privileg, nicht vom Einkommen abhängig sein, sondern muss allen Menschen gleichermaßen barrierearm zur Verfügung stehen. Der Bedarf steigt.
Auch weil wir begonnen haben offener über diese Themen zu sprechen. Das ist ein guter und wichtiger erster Schritt. Der nächste, die Verfügbarkeit von Unterstützung, ist dringend überfällig!
Es gibt seit Mai dieses Jahres eine nationale Suizidpräventionsstrategie der Bundesregierung. Ich hoffe sehr, dass ihm Rahmen dessen auch die Versorgungslage im Rahmen von psychischer Gesundheitsvorsorge und akuter Krisenunterstützung deutlich verbessert wird.
Wo finde ich Hilfe?
In meinen Links habe ich Hilfsstellen für suizidale Krisen und Hinweise für Gespräche mit suizidalen Menschen von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention verlinkt.
Wenn es Dir nicht gut geht und Du suizidale Gedanken hast, wende Dich bitte an die Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222
Endspurt
05.09.2024

Endspurt.
End-Spurt.
Die letzten Wochen, Monate nach dem Suizid meines queer platonic partners waren genau das.
Ich habe mich die letzten fünfeinhalb Monate beherrscht, gekümmert, weiter gemacht. Erst, weil ich dachte es ist nötig. Dann, weil ich die Mauer nicht mehr umwerfen konnte.
Mich gewundert habe, warum ich nicht an die Trauer komme, von der ich wusste, dass sie da ist.
Weiter gemacht, noch weniger Pausen, noch mehr Handeln.
Hab die körperlichen Schmerzen in Schultern und Nacken verflucht, die immer stärker wurden und doch den Absprung nicht geschafft. Bin immer empfindlicher, dünnhäutiger als sowieso schon geworden und trotzdem, deshalb war die Mauer hoch.
Und nun?
Letze Woche ist die Mauer umgestürzt. Auf mich und ich habe mit den Steinen um mich geworfen. Zugelassen, dass ihr Gewicht mich erreicht. Wut, Schmerz, Trauer endlich gefühlt und fließen lassen können. Und mir endlich zugestanden, dass ich eine Pause von kümmern, verantwortlich sein, gefasst sein brauche und haben darf. Mir die Zeit nehmen darf und muss, mich selbst in den Arm zu nehmen und zu atmen. Hilfe annehmen darf.
Das, was ich immer allen Trauernden rate und mir doch selbst nicht zugestanden habe.
Das tue ich jetzt seit letzter Woche. Pause, innehalten, fühlen, atmen, weinen, sein.
Und es ist gut.
Auch wenn es besser gewesen wäre ohne Staub und Steinbrocken.
Es ist gut.
#trauer #TrauerZulassen #GriefIsLove #queergrief #queerdeath #DurchDieTrauer #traueristkeintabu #trauerbewältigung
Da bin ich gern dabei!
05.08.2024

Auf Traucheck findet ihr nun neben Hochzeitsredner*innen auch Trauerredner*innen!
Die Seite hat es sich zur Aufgabe gemacht, Dienstleistende für alle privaten Zeremonien und Feiern auf einer Seite zu versammeln und eine bequeme Buchungsmöglichkeit zu schaffen.
Nachdem es zunächst nur Dienstleistende für Hochzeiten gab, wurde das Angebot nun erweitert.
Dazu gibt es gerade ein Trauerredner*innen-Special bei Traucheck und auch noch weitere Infos zum Thema Trauerrede.
Ich gehöre nun also gleich doppelt auf die Seite und bin deswegen auch sehr gern dabei!
Im Trauerredner*innen-Special findet ihr sogar ein Interview mit mir, in dem ich erzählen durfte, warum ich meine Berufung so liebe & wie ich arbeite.
Und natürlich auch über meine Herzensthemen: Queerness, Polyamorie, Regenbogen- & Patchworkfamilien, Neurodiversität und pagan rituals.
Ich freu mich!
Hier findet das Interview und im Magazin noch weitere interessante Informationen zu Trauerreden.
Schaut vorbei!
#TrauerKenntKeinenUrlaub
11.06.2024

Unter diesem Motto laden wir von der Trauer Taskforce euch ein, uns mit Fotos mitzunehmen und zu zeigen, wohin ihr mit eurer Trauer in den Urlaub fahrt.
Denn Zuhause lassen können wir sie nicht. Wie eine Katze springt sie mit in den gepackten Koffer. Anders als die Katze bleibt sie aber drin liegen und lässt sich nicht verscheuchen.
Meine Trauer um meinen queer platonic partner fährt gerade mit auf einem Roadtrip durch Tschechien, sitzt tagsüber auf der Rückbank und abends mit unter dem Sternenhimmel.
Und ich? Ich atme, versuche durch die Wellen zu tauchen, lade meine Trauer ein zum Tee aus Emailletassen und halte mich an der Liebe fest.
Nehme meinen liebsten Menschen mit an die Orte, die dey nicht mehr sehen wird. Schaffe Erinnerungen, die ich nicht mehr mit dem teilen kann und lasse deren Namen, die Geschichte dieses Herzensmenschen an neuen Orten, erzähle gegen das Vergessen und Verblassen.
„What is grief, if not love, persevering?“ (WandaVisions)
Auf der Homepage der TTF könnt ihr euch eine Vorlage für eine Fahne zum selbst basteln herunterladen.
Vermissen
21.03.2024

CW: Suizid
Wenn Du persönlich von dem Thema betroffen bist oder Unterstützung brauchst, sprich bitte mit vertrauten Menschen oder der Telefonseelsorge Tel. 116 123.
Und nun sitze ich hier in all meiner Professionalität, die mir doch jetzt in diesem Moment herzlich wenig nützt.
Jetzt in diesem Moment, wo ich Dich vermisse.
Heute vor einer Woche hast Du entschieden den Freitod zu wählen. In ein paar Stunden werde ich Deine letzte Mail an mich gelesen haben. Werde wider besseres Wissen eine Freundin in England bitten die Polizei zu Dir zu schicken. Werde Gewissheit haben.
Wir waren nie etwas „Offizielles“. Weil wir es nicht ausgesprochen brauchten zwischen uns. Es hat mir nie gefehlt. Bis jetzt. Denn jetzt stolpere ich darüber, jeden Tag seit…
Weil ich nicht weiß, wo ich mich verorten soll, wo mein Platz ist in dem, was jetzt ist, folgt, passieren kann, soll, muss.
Weil ich mich an nichts festhalten kann, dass eh nicht zum Festhalten da ist und irgendwie trotzdem greifbarer gewesen wäre.
Weil ich mich gesehen fühlen würde in der Tiefe meiner Trauer um Dich.
Das, was uns verbunden hat seit Jahren, war so wertvoll, so nah, so intim, dass wir es ganz unbewusst im Innen gehalten haben. Zwischen uns.
Ich suche Namen für das „Uns“, um zu versuchen jetzt dem Außen zu sagen: sei sanft, sei mitfühlend, bitte. Ich habe einen meiner nächsten Menschen in dieser Welt verloren.
Das, was dem am nächsten kommt, ist vermutlich queer platonic partner. Sperrig klingt es, fühlt sich richtig an und irgendwie auch wieder nicht.
Und im Dazwischen, dem Raum der sich in den Schnittstellen von vermissen, organisieren, mühsam erfassen lernen, kommunizieren, versuchen Deine letzten Wünsche umzusetzen bildet, spüre ich vogeldaunensanft, zart leuchtend das „Uns“, wie es Dich und mich in den vielen vergangenen Jahren getragen hat und weiter tragen wird.
Ich atme in das Dazwischen, immer dann, wenn die nächste Welle anrollt und über mir zusammenschlägt.
Du fehlst. 💚
#suizid #freitod #trauer #queer #queerdeath
Kein Fußbreit
18.01.2024

Rückschau auf meinen literarischen Themenabend bei Ameis Buchecke in Hildesheim
15.12.2023

Im November durfte ich bei Ameis Buchecke in Hildesheim einen Abend unter dem Titel „Leben & Loslassen: Eine literarische Abendveranstaltung über Tod, neue Trauerkultur und warum Vorsorge Liebe ist – Einladung zum Dialog“ gestalten.
Das hat mir große Freude gemacht und es war ein wunderbarer Austausch mit den Anwesenden, über Wünsche, Vorstellungen und eigene Erfahrungen mit Tod und Trauer. Gelacht haben wir trotzdem viel und nach drei Stunden war meine Stimme müde und ich ziemlich glücklich.
Hoffentlich kann ich ein solches Angebot wiederholen, ich würde mich total freuen und der Wunsch war definitiv da!
(Wenn Du so einen Abend gern bei Dir in der Gegend hättest, sprich mich gern an und kontaktiere doch mal Deine Lieblingsbuchhandlung, die lokale Volkshochschule oder andere Bildungsträger*innen 😊).
Natürlich gab es auch die versprochenen Buchempfehlungen, eingebettet in die verschiedenen Themenbereiche. Du findest diese, ebenso wie Texte zu Vorsorge, (alternativen) Bestattungsformen, Umgang mit Trauer (der eigenen und der anderer) und warum Vorsorge in meinen Augen ein Akt der Liebe hier auf der Homepage im Bereich „Wege durch die Trauer„.
Ein kleiner Fan-Moment über „S3x education“
03.11.2023

*Spoilerwarnung*
Ihr Lieben, entschuldigt bitte meinen kleinen Fan-Ausbruch: aber wie großartig ist bitte die Folge 6 mit der Beerdigung von Maeves Mutter in der 4. Staffel von Sex Education?
Die Serie ist ja sowieso ganz unbestreitbar großartig, inklusiv, intersektional und generell toll, aber geheult habe ich bisher noch nicht.
Warum hat mich diese Szene so begeistert?
Es werden diverse wichtige Elemente angesprochen, die viele aktuelle Probleme im Bereich Trauer/Bestattung aufgreifen. Gleichzeitig schaffen es die Macher*innen der Serie, ein gutes Beispiel zu geben, warum Trauer Gemeinschaft braucht, wie viel Unterstützung ein Miteinander den Zugehörigen gibt und das es nicht um die Wahrung von Klischees, sondern um persönlichen Ausdruck, Authentizität und Selbstwirksamkeit geht.
Natürlich ist einiges von dem Schlechten künstlerisch überzeichnet, aber leider ist mir viel davon in unterschiedlicher Art und Ausprägung in den letzten Jahren immer wieder begegnet (auch wenn ich ausdrücklich sagen möchte, dass es immer mehr Menschen im Trauerbereich gibt, die es ganz anders machen, z.B. bei @Bohana)
Die Verkaufsmentalität ohne Anteilnahme im Bestattungshaus, die die beiden knapp erwachsenen Kinder allein in ihrer emotionalen und finanziellen Überforderung lässt. Die furchtbare „Zelebrantin“, die den Namen der Mutter zuerst völlig falsch im Kopf hat und ihn danach in der Trauerrede falsch ausspricht; die mit billigen Klischeesätzen um sich wirft; der die Trauermusik abbricht, weil das Internet zu schlecht zum streamen ist (und sie sich nicht vorher drum gekümmert hat); die in ihrem Text ein Bild der Verstorbenen malt, dass überhaupt nichts mit ihr zu tun hat und die die ganze Zeit sichtbar auf ihre Uhr tippt, weil der Zeitslot zu Ende ist.
Was ich hingegen feiere und mich schlussendlich zum Heulen gebracht hat:
Die Freund*innen, die zur Trauerfeier kommen um die Tochter zu unterstützen (die niemanden dort erwartet hatte); die selbstgebackenen Cupcakes für alle Anwesenden; der schüchterne Lehrer, der das gewünschte Lied zum Abschied dann inbrünstig singend am Klavier spielt und alle zum Mitsingen inspiriert. Die ehrlichen Abschiedsworte der Tochter, die nichts beschönigen und doch voller Liebe sind. Die Herausgabe der Asche an die Tochter, die sie dort verstreuen kann, wo es passend für ihre Mutter war.
#sexeducation #sexeducationnetflix #trauerrede #lebensrede #abschiedgestalten #esgehtauchanders #strongertogether #abschied #wandelworte #trauerredenerin #zusammenistmanwenigerallein
Neurodiversityaffirming
12.09.2023

Aus Erfahrung weiß ich, dass (insbesondere ungeplante) Veränderungen für neurodivergente (u.a. ADHS, Autismus) Menschen häufig eine besondere Herausforderung darstellen.
Aus vollem Herzen gehe ich wertschätzend und anerkennend damit um.
Kleine Beispiele aus dem großen Spektrum an Möglichkeiten?
Ich weiß, wie anstrengend masking ist und erwarte es nicht.
Wenn kleinschrittige Absprachen die Planung für Dich angenehmer machen oder ich mit einer Erinnerung für einen Gesprächstermin die Zusammenarbeit für Dich entspannen kann – sag es gern!
Wenn Augenkontakt oder viel Aufmerksamkeit auf einmal bei Zeremonien sich nicht gut anfühlen, dann finden wir gemeinsam heraus, wie es besser gehen kann.
Du hast Themen und Hobbies, die einen großen Platz in Deinem Herzen einnehmen und Dir wichtig sind? Klasse, dann lass sie uns doch in Deine Zeremonie einbringen!
Du hast das Gefühl zuviel erzählt zu haben und bist unsicher, wie es bei mir ankam und dass ich alles davon in meiner Rede für Dich aufnehme? Mach Dir bitte keine Sorgen. Sag mir einfach, was nicht darin vorkommen soll: ich behalte es in jedem Fall für mich und freue mich über Dein Vertrauen.
Melde Dich gerne, wenn Du einen neuen Schritt in Deinem Leben feiern willst, Begleitung im Zwischen-Raum möchtest oder Abschied nehmen musst.
Zusammen finden wir einen guten Weg, der zu Dir passt 💚
neurodiversityaffirming #neurospicy #neurodivergenz #adhs #autismus #adhdawareness #adhdpositiv #autismawareness #neurodivergent #autism
„Draußen im Meer, wo sich alles traf, die Flüsse, die Enden aller Tage und die gelebten Leben und in einem ewigen Tanz unter dem Himmel wogte und strömte.“ (Patricia Koelle „Das Meer in Deinem Namen“)
01.08.2023

Und wieder sitze ich am Wellensaum.
Spüre die warme Präsenz der Bäume, die durch tausend Stürme und Winde mit starker Lebendigkeit den Widrigkeiten getrotzt haben in meinem Rücken und das ewige Auf und Nieder, das Kommen und Gehen der Wasser vor mir.
Fühle, wie ich in dieser Unendlichkeit, diesem steten Kreislauf ganz klein und dennoch dazugehöriger Teil bin.
Lasse Sand, Muscheln und Seeglas durch meine Finger gleiten, geschliffen vom ewigen Tanz der Gezeiten, Wellen und Weite. Hier ist unverrückbar eine Heimat für mich, eine Ruhe, die nur das Zusammenspiel von Meer und Wald, von Lebendigkeit und Vergänglichkeit mir schenken kann.
Spüre die Dankbarkeit für dieses Glück, das Geschenk, welches sich mir und vielen anderen immer wieder sanft und kraftvoll als Boden unter den Füßen anbietet. Sich selbst genug und ohne Anforderungen.
Nehme wahr, wie das Wasser in mir sich verbindet mit dem Plätschern und Strömen vor mir und meine Körperlichkeit mit der ruhigen Anwesenheit des Rauschens der Wipfel, dem Flug der Vögel und den warmen Steinen in meiner Hand.
Ich bin.
Ich bin da und genug.
Ich bin verbunden und eins.
„Das zweistimmige Rauschen von Brandung und Wald ist die perfekte Melodie, die uns Frieden gibt und zugleich in Bewegung bringt. Sie fließt wie das Blut in den Adern, eine Melodie wie das Leben selbst, wenn es im Einklang mit sich und voller Energie ist.“ (Patricia Kölle „Das Licht in den Bäumen“)
20.07.2023

Gerade habe ich beim Lesen ein Zitat gefunden, welches ich gerne mit euch teilen möchte.
Es beschreibt so wunderbar mein Gefühl an den Orten, an denen Wald und Meer einander fast berühren.
Jeder dieser Orte berührt mich tief, weil er ein Schwellenraum ist und ihm (zumindest in meinem Erleben) etwas zutiefst Magisches anhaftet.
Morgenspaziergang
15.07.2023

Vorwärts treiben, das Ziel , den Wunsch, die Idee fest im Blick.
Genug Spielraum für Abenteuer, Glück und Zufall.
Ausreichend Planung für gefühlte Sicherheit, für Frieden und Vorfreude.
Jeder Kilometer, jeder Schritt, jede verrinnende Minute trägt vorwärts. Jeder Gedankenhopser, jede Besonderheit die den Blick fängt, jeder Fetzen Melodie und Wort schafft Inspiration, Tagträume, Kopfkino.
Die Kreativität, die in Bewegung geschieht, in dem Moment zwischen eben und gleich, gestern und morgen; die, die der Stillstand nicht schaffen kann.
Das Aufwallen von Gedankensplittern, sich verwebende Bilder, aus der Gleichförmigkeit des Vorwärts an die Oberfläche gebracht.
Ungeordnet und wild.
Erst das Innehalten, zulassen, anhalten, Raum geben birgt die Möglichkeit, die wirbelnden Facetten sacht an ihren Platz fallen zu lassen. Den Rahmen zu schaffen für das Bild, um Schicht für Schicht zur Form zu werden; das Wort zur Geschichte.
Wir brauchen immer beides, Bewegung und Ruhe; einlassen und abgeben; wagen und annehmen.
Rhythmus, Schwellenzeiten, Wandelräume, ankommen, beginnen.
Deshalb liebe ich Reisen, weil sie mich so oft im Kopf verweilenden Menschen wieder mit Bodenhaftung, genau HIER sein, aus dem Bauch heraus entscheiden und Flügeln beschenken.
Und mit innehalten, atmen, sehen.
Ein liminaler Raum zwischen Alltagszeiten, Zeit für Möglichkeiten, Veränderungen und Einblicke.
Erinnerungen schaffen
19.06.2023
Träg-entspannte Sommertage, die sich gemächlich ziehen, sonnenglitzernde Momente mit plantschenden Füßen im kühlen Bachwassers, halb geschlossenen Augen, die dem Tanz der schillernden Libellen über dem Wasser folgen und die warme Gegenwart eines lieben Menschen dabei fühlen.
Wenn ich an die Aufforderung, den Wunsch, die Bitte „Erinnerungen schaffen!“ denke, dann sind es diese Momente, die mir einfallen.
Nicht die großen, wichtigen Ereignisse, sondern diese kleinen.
Das Gewicht meines Kindes, das in der Hängematte an mich gekuschelt ein Buch liest und dessen zerzauste Haare nach Abenteuer, Wald, Sonne und Sonnenmilch riechen.
Die lachenden Augen einer engen Freundin, wenn sie gelöst und frei aus dem Wasser des von Bäumen beschatteten Teichs auftaucht und mich anlächelt.

Sommersonnenwende
21.06.2023
Sommersonnenwende ist heute.
Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres.
Die Hitze der letzten Tage passt gut zu diesem Sonnenhöhepunkt und ich kann mir wie jedes Jahr gar nicht vorstellen, dass es ab morgen Stückchen für Stückchen für Stückchen wieder dunkler werden wird.
Doch das Jahresrad steht nicht still, genauso wenig wie unsere Leben, auch wenn wir es uns manchmal wünschen.
Mit dieser Gewissheit können wir versuchen die Fülle aufzunehmen, die inneren Batterien mit Sommernachtstraumerinnerungen zu füllen und sie im Winter als kleine Sonnenflecken wieder hervor zu holen.
Erinnerungen halten so viel Potential in sich und die schönen, warmen, liebevollen Erinnerungen helfen uns Momente, geliebte Menschen und Kraft mitzunehmen in Zeiten, die mit Schwere und Mutlosigkeit an uns nagen.

Über Liminalität
9.6.2023
Letzte Woche war ich in dem zauberhaften RuheForst Glücksburg.
Erneut war ich tief berührt von der Atmosphäre des Ortes. Diese wilde und zugleich sanfte Mischung zwischen Meer und Land. Dieser liminale Zwischen-Raum, der gleichzeitig ein Ort für die Verstorbenen und für die Lebenden ist, sie in Verbindung bringt und ganz viel Ruhe schenkt.
Liminalität – ein (W)Ort, der viel Bedeutung für mich hat, in der ich gern begleite und den ich so gerne mehr in der Wahrnehmung hätte.
In seiner Fülle und Relevanz, Schönheit und den unendlichen Möglichkeiten, die sich aus ihm entfalten können.
Im liminalen Raum sein, heißt zwischen den Dingen zu stehen.
Zwischen Ende und Neubeginn, in Veränderung und fluktuierend.
Auf dem Weg seiend.

Abschiedsgeschichten
7.5.2023

Nachdem ich den wunderschönen Beiträgen aus dem Sarg auf dem Profil von Junimond Bestattungen auf Instagram ja schon begeistert folge, habe ich mich sehr gefreut, am Freitag in Bremen auf der Messe Leben & Tod am schönen Stand von Junimond selbst einmal Probe zu stehen.
Es war spannend, dort einen Moment ganz bewusst die eigentliche Sterblichkeit nochmal in die Wahrnehmung zu holen und zu überlegen: Was nehme ich mit?
Wer bin ich hier und was möchte ich hinterlassen?
Was ist wirklich wichtig?
Klar geworden ist es mir erneut in diesem Moment, dass ich Verbindungen hinterlassen möchte. Nähe, Vertrauen und einfach sein, miteinander.
Tatsächlich ist ein Sarg nicht meine Wahl für den gesamten letzten Aufenthalt. Ich möchte gerne mit dem Wind übers Meer fliegen, mit letzten Briefen meiner liebsten Menschen, vermengt mit mir.
Und ein Kerzenlabyrinth für einen letzten gemeinsamen Weg zum Durchschreiten auf der Feier meines Lebens.
Danke, Hendrik und Leo von Junimond für diesen schönen Moment und die wunderbare Idee der Fotos und Geschichten. 💚
Lust auf Hochzeit oder Handfasting?
3. März 2023
Queere & polyamore Trauer – Teil 2
16.11.2022

Das Thema Diskriminierung und Marginalisierung hört leider für viele Menschen auch im Tod nicht auf.
Dies trifft auch (ebenso wie bei allen anderen marginalisierten Gruppen) auf viele queere und polyamore Menschen zu und selbstverständlich sind alle Menschen in ihren Bedürfnissen einzigartig.
- Wie kann dem Thema Tod und Trauer von Dienstleister*innen diskriminierungsärmer begegnet werden?
- Was ist speziell im Kontext queer/polyamor wichtig?
- Was braucht ihr, um euch gut wahr- und angenommen zu fühlen?
Für uns alle ist wichtig, dass auch im Tod Dinge so gehandhabt werden, wie im Leben.
Worauf können wir achten bei der Wahl des Bestattungshauses, der Trauerbegleitung, der Redner*in oder der Trauerfeier?
- Wird Gestaltungsfreiraum für individuelle Bedürfnisse und Ideen geschaffen?
- Ist Selbstbestimmung im Rahmen des gesetzlich Erlaubten möglich?
- Werden die Kosten transparent aufgeschlüsselt und euch die Wahl gelassen?
- Ist der Umgang mit euch und eurem verstorbenen Menschen von Achtsamkeit, Respekt und Toleranz geprägt?
- Gehört die Wahrnehmung von Vielfalt, sowie eine gendersensible und inklusive Sprache zum vorherrschenden Umgangston?
- Respektieren die Mitarbeitenden die Identität der verstorbenen Person, ihre Lebensrealität, ihr Name und ihr Geschlecht so, wie es gelebt wurde, unabhängig davon, was in den Papieren steht?
- Wird der Mensch unter Angabe des richtigen Geschlechts (das nicht unbedingt der körperlichen Repräsentanz oder dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht) bestattet und bei der Totenfürsorge respektvoll behandelt?
- Wenn es mehr als eine Beziehungsperson gab, werden alle gleichermaßen wahrgenommen und respektiert, als Zugehörige und verwitwete Partner*innen?
- Werden Familienstrukturen als solche erkannt und wertgeschätzt, unabhängig davon, ob sie bunter und vielgestaltiger sind, als eine klassische Kleinfamilie?
- Fühlt ihr euch geschützt genug in dem angebotenen Rahmen für die Totenfürsorge und bei der Trauerfeier? Werden Diskriminierungs- oder sogar Gewalterfahrungen ernst genommen und wird sensibel damit umgegangen?
- Was braucht ihr, um euch – gerade in diesem Kontext – wohl- und angenommen zu fühlen?
Wenn ihr Tipps für queere Trauergruppen und queerpositive Bestattungshäuser habt, schickt sie mir sehr gern!
Gerade queere Trauergruppen sind bisher sehr, sehr rar gesät.
Auf der Bohana-Homepage findet ihr unter dem Schlagwort LGBTQIA+ schon eine ganze Reihe wunderbarer Menschen, die euch gern zur Seite stehen.(den Link findet ihr im Wonderlink in der Bio).
Ebenfalls im Wonderlink findet ihr einen Link zu den Bestattungsgesetzen der einzelnen Bundesländer. Dort werden die gesetzlichen Vorgaben genannt, die eingehalten werden müssen.
Queere & Polymore Trauer – Teil 1
9.11.2022

In den letzten Wochen durfte ich gleich zwei Interviews zum Thema queere (und polyamore) Trauer geben.
Warum mache ich nun Extrabeiträge zu diesem Thema?
Sind Beisetzungen und Trauerfeiern für queere und polyamore Menschen grundsätzlich anders, als die von hetero und monoamoren Menschen? Nein!
Aber in den Biographien vieler queerer Menschen gibt es Brüche mit ihren Herkunftsfamilien und nicht in allen Herkunftsfamilien werden polyamore Beziehungen wahrgenommen und wertgeschätzt, als das was sie sind. Deshalb möchte ich hier nochmal etwas mehr dafür sensibilisieren sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen und euch Hinweise geben, wie ihr Sorge tragen könnt für euch und eure Liebsten.
Denn die eigene Trauerfeier sollte so sein, wie ihr sie euch wünscht und vor allem sollen eure Beziehungen, nahen Menschen, Identität und eure Lebensgeschichte dort Raum haben.
Warum ist es speziell für queere und polyamore Menschen wichtig, sich mit dem Thema Tod und Bestattung auseinanderzusetzen?
In den Biographien vieler queerer und auch polyamorer Menschen gibt es leider auch heute noch Brüche mit den Herkunftsfamilien und viele von uns suchen sich in ihren Leben eine Wahlfamilie. Es ist ganz wunderbar liebevolle neue Menschen zu finden und mit ihnen enge Beziehungen einzugehen.
Bei Todesfällen gilt das sogenannte Bestattungsgesetz, jedes Bundesland hat ein eigenes. Allgemein gilt in allen Bundesländern, dass jede Person ab spätestens 16 Jahren das Recht hat über die eigene Beisetzung zu entscheiden
Ist darüber nicht bekannt, gibt es eine festgelegte Reihenfolge, nach der Personen entscheidungsbefugt sind (Ehe oder Lebenspartner*innen, Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern, Enkel) zuständig (nur in RLP obliegt es den Erbenden), in den meisten Bundesländern haben unverheiratete/-verpartnerte Lebensgefährt*innen keinen Verwandtschaftsstatus.In diesem Fall dürfen die Totenfürsorgeberechtigen über Art und Ort der Bestattung entscheiden, wenn ihr es nicht anderweitig festgelegt habt.
Das Recht der Totenfürsorge kann aber auch nicht verheirateten Partner*innen oder anderen nahen Menschen zufallen, wenn sie ausdrücklich von euch damit beauftragt wurden.
Wie kann ich vorsorgen?
Um potentielle Konflikte zu vermeiden, ist es sinnvoll, diese Wünsche zu verschriftlichen und einer Bestattungsverfügung festzuhalten.
Auch die gewünschte Bestattungsform (Erd- oder Feuerbestattung, Friedhof oder Seebestattung), den Ort und eure Wünsche zur Trauerfeier könnt ihr dort niederlegen. Wer soll dort sprechen, wie soll sie gestaltet sein? Gibt es einen speziellen Ort, den ihr euch dafür wünscht? Welche Musik soll erklingen?
Ihr könnt die Verfügung jederzeit widerrufen oder verändern.
Die Kosten der Bestattung sind aus dem Nachlass der verstorbenen Person zu zahlen.
Wie könnt ihr Vorsorgen?
Die wichtigsten Formalien zur Vorsorge sind:
- Patient*innenverfügung
- Vorsorgevollmacht
- Testament
- und Bestattungsverfügung.
Es ist sehr hilfreich für eure Zugehörigen, wenn ihr einen Ordner mit wichtigen Unterlagen zusammenstellt. Dazu gehören zum Beispiel eine Patient*innenverfügung, eine Bestattungsverfügung mit den Wünschen zur Fürsorge nach dem Tod und der Beerdigung, Versicherungs- und Bankunterlagen, Testament, Heiratsurkunde, eine Liste mit allen relevanten Passwörtern und Benutzerkonten und eure Geburtsurkunde.
Das wichtigste zum Schluss: Sprecht miteinander!
Es ist ein Akt der Liebe zueinander, schafft Vertrauen und ist eine große Entlastung in der Situation, zu wissen, was den Liebsten gefallen würde.
Lasst uns gemeinsam Trauer wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückholen.
Natürlich sind die Informationen auch für alle anderen Menschen relevant, insbesondere, wenn ihr nicht in gesetzlich eindeutigen Beziehungen lebt!
Vorlagen für Vorsorgevollmachten, Patient*innenverfügungen und Bestattungsverfügungen findet ihr im Internet oder in meinem Wonderlink-Tree.
Dieser Beitrag ist ausdrücklich keine Rechtsberatung.
Veränderungen Zeit und Raum geben – Von der Natur lernen.
9. Juni 2021
Veränderung und Wandel brauchen Zeit.
Manchmal mehr, als uns lieb ist.
Es ist auch völlig in Ordnung, dass Dir das vielleicht gerade nicht gefällt (und mir ganz oft genau so wenig).
Warten ist schwierig. Sich aus der eigenen Komfortzone bewegen, an vielleicht schmerzhaften Erfahrungen rühren, den Schritt ins Unbekannte und Neue zu wagen, auch.
Doch die Erkenntnis, dass ein Wandel geschieht, geschehen darf oder soll, benötigt Raum und Zeit um zu wachsen.

Die Natur lehrt uns ganz deutlich, wie es geht. Die Samen der Pflanzen des kommenden Jahres ruhen in der dunklen Erde und kommen dann ans Licht, wenn es ihre Zeit ist. Sorgsam, vorsichtig zunächst, strecken sich die Triebe durch die Erde und erblühen irgendwann im strahlenden Sonnenlicht.
Vielleicht müssen wir wieder lernen, mehr zuzuhören, hinzuschauen, bei uns zu bleiben.
Uns verpuppen, hineinhorchen, die Veränderung ins uns geschehen lassen, bevor wir erneut ins Außen treten.
Gib Dir die Zeit, um den Weg zu gehen, das Anzunehmen, was vor Dir liegt und für all die Gefühle, die damit zusammen hängen.
Was brauchst Du jetzt, in diesem Moment?
Welcher Wandel hat für Dich begonnen und bringt etwas Neues in Dein Leben?
Kannst Du es gerade zulassen?
Was ist eigentlich ein Handfasting?
15. März 2021
Geschichtlich stammt das Handfasting aus der keltischen Tradition, vorrangig vermutlich aus dem heutigen schottischen Raum.
Der Begriff stammt vom Wort Handfeste ab, welches einen geschlossenen Vertrag durch einen Händedruck mit einem verknoteten Band besiegelte. Der Knoten im Tuch oder Band besiegelte damit die Verbindung.
Im englischen Raum bedeutet „to tie a knot“ bis heute das Eingehen einer Ehe und auch in „den Bund der Ehe schließen“ finden wir es wieder.

Wie funktioniert ein Handfasting?
Die sich Trauenden legen die Hände ineinander und die Trauredne*rin, Priester*in, vertraute Menschen oder vielleicht auch die gemeinsamen Kinder schlingen das Band um die Hände und binden das Band zu einem losen Knoten. Die sich Trauenden selbst ziehen nun gemeinsam den Knoten fest und besiegeln so ihre Verbindung in Liebe.
Gern darf dies mit einem Kuss besiegelt werden und auch dürfen die Hände gern eine Zeit lang so gebunden bleiben.
Das Binden der Hände kann ein Bestandteil einer freien Trauung sein und von einer Traurede, einem gegenseitigen Versprechen, Musik oder einem Ritual begleitet werden – ganz wie es euren individuellen Wünschen entspricht.
Ob es der der Höhepunkt der Trauung sein soll, gemeinsam mit einem zusätzlichen Tausch von Ringen passieren oder ganz für sich alleinstehend, auch hier dürft ihr frei entscheiden.
Es darf ebenso einen spirituellen Hintergrund haben, wie es sich auch für eine humanistische Eheschließung eignet.
Bei der Gestaltung des Handfastingbandes gibt es wundervoll viele Möglichkeiten! Ob alle Anwesenden Segenswünsche auf das Band schreiben, Kletterseile oder Segeltaue eines verbindenden Hobbies oder ein gemeinsam für diesen geknüpftes Band – alles ist möglich und liegt in eurer Hand. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt und das Band ist ein wundervolles Andenken an diesen wichtigen Tag.
Weshalb spreche ich von den sich Trauenden und nicht von einem Paar?
Die Gestaltung des Handfastings und das Verbinden der Hände eignet sich ebenso wundervoll für Polyküle – also Beziehungsnetzwerke mehrerer sich liebender Menschen – die gemeinsam einen Bund aus Liebe eingehen möchten.
Eine standesamtliche Trauung ersetzt ein Handfasting, ebenso wie eine freie oder eine kirchliche Trauung, in Deutschland leider nicht.
Was ist eigentlich ein Handfasting?
Da mir diese Frage in den letzten Wochen immer wieder gestellt wurde, möchte ich heute die Gelegenheit nutzen, diese wunderschöne Möglichkeit einer Trauung etwas näher zu beleuchten. <3
Hast Du noch weitere Fragen?
Dann schreib mir gern unter wandelworte@posteo.de